Ein wenig Wes für den Sommer

Zu den besten Aufnahmen, die Wes Montgomery jemals gemacht hat, gehören die Live-Recordings im Half-Note-Club aus dem Jahr 1965. Es handelt sich um Radio-Sessions, die später teilweise veröffentlicht wurden (u.a. auf Smokin’ at the Half Note). Eine Reihe von Stücken gibt es allerdings nur als Bootleg, die unter Wes-Fans weitergegeben werden. So auch diese Aufnahme von “Cariba”, eines der bekanntesten (und aufgrund seines einfachen 12-Takt-Akkordschemas oft nachgespielten) Originale von Wes. Ich habe zwei Daten für diese Aufnahme, einmal den 12. Februar und einmal den 24. September 1965. Im ersten Fall hätte Wes mit seinem Mabern-Tour-Trio gespielt, im anderen Fall mit dem Wynton-Kelly-Trio. Wie auch immer, viel Spaß beim Anhören.

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R.I.P. Ben Tucker

Bassist Ben Tucker ist im Alter von 82 Jahren gestorben. 1930 in Nashville geboren, spielte Tucker unter anderem auf Platten von Gerry Mulligan, Grant Green und Quincy Jones. Er war an der Produktion des Hits “Sunny” beteiligt war, und profitierte später von den Tantiemen aus dem Stück von Bobby Hebb. Tucker war viele Jahre Bassist des Billy Taylor Trios, und in dieser Funktion kreuzte er 1964 den Weg Wes Montgomerys. Wes und Taylor spielten einige Radioaufnahmen ein, die unter dem Titel “The Navy Swings” (mit Drummer Grady Tate und Sänger Joe Williams) veröffentlicht worden sind. Ben Tucker wurde in seiner Wahlheimat Savannah Opfer eines Verkehrsunfalls, als er mit einem Golfwagen unterwegs war.

 

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Gründen wir ein Forum?

Ich habe in den letzten Wochen mehrfach elektronische Post bekommen von Menschen, die sich mit Wes Montgomery und der Jazzgitarre allgemein beschäftigen. Das ist eine Resonanz, die mich sehr gefreut hat. Dabei ist mir aufgefallen, dass irgendwie ein Ort fehlt, an dem man direkt miteinander kommunizieren kann. Bis zum vergangenen Jahr gab es noch das Forum bei Archtop Germany, aber auch das ist zwischenzeitlich dahingeschieden. Bei Facebook habe ich den Eindruck, dass viele Hemmungen und Ängste haben, sich dort anzumelden oder zu kommunizieren. Und ich muss gestehen, dass ich FB auch eher für einen privaten Kreis benutze, während ich sonst auf Twitter oder bei Google+ auch für alle anderen einsehbar und kontaktierbar bin. Also, was bleibt? Eine Mailingliste? Oder ein neues Forum.

Ich habe einfach mal ein Forum an diese Webseite angedockt, und ich würde mich freuen, wenn es ein paar Menschen finden würde, die sich gerne über tote und lebende Gitarristen, über Archtops, über Konzertermine, neue Aufnahmen, die man gehört haben muss, oder ähnliche Dinge unterhalten möchten. Ihr alle seid herzlich eingeladen.

Ach so: Ich habe zwar eine Menge Erfahrung darin, Blogs einzurichten und zu gestalten, aber beim Forum betrete ich Neuland. Falls etwas blöd aussieht, unkomfortabel ist oder gar nicht funktioniert, sagt bitte Bescheid (auch gerne per Mail an torsten at meise.net). Ich lerne gerne dazu.

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R.I.P. Arnold Eidus

Als Sohn russischer Einwanderer am 28.11.1922 in New York City geboren, konnte sich Arnold Eidus schon früh als ein Wunderkind an der Geige etablieren. Bereits mit 16 gab er ein Konzert in der Carnegy Hall. Mit 24 gewann er in Paris als erster Amerikaner die Jacques Thibaud International Violin Competition. Später wurde er Konzertmeister des ABC Symphonieorchesters. Bevor er 1967 bei einer Werbeagentur anheuerte, um Werbe-Jingles zu produzieren, war er auf zahlreichen Jazz-Alben zu hören, die mit Orchestern erweitert wurden. Bereits auf der Riverside-LP “Fusion”, der ersten Streicherplatte von Wes Montgomery, ist Eidus dabei. Auch nach dem Wechsel der Plattenfirma bleibt der Violinist dem Jazzgitarristen treu. Auf den Verve-Platten “Bumpin’” (1965, mit Dirigent und Arrangeur Don Sebesky) und “Tequila” (1966, mit Dirigent und Arrangeur Claus Ogerman) ist Arnold Eidus ebenfalls zu hören. Der Musiker starb am 3. Juni im Alter von 90 Jahren.

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Die Wes-L5, die George Benson gehörte

 

In diesem TV-Beitrag aus George Bensons Haus gibt es eine kurze Einstellung, in der man die L-5 sehen kann, die Wes Montgomery gehört hat. Es handelt sich um ein Modell mit spitzem Cutaway, also wohl um jenes Modell, mit dem Wes auch für die Gibson-Anzeigen posiert hat. Wie ich hier bereits vor einiger Zeit berichtet habe, ist die Gibson L-5 nun in die Hände von Pat Metheny übergegangen.

L-5 florentine cutaway

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Larry Coryell über Wes

Man sollte eigentlich kein Produkt des Springer-Verlags mehr zitieren oder verlinken, weil er uns Bloggern mit dem Leistungsschutzrecht ein wirklich fieses Ei ins Nest gelegt haben. Aber Larry Coryell hat jetzt der Welt ein Interview gegeben, das eine sehr interessante Passage über seine Begegnung mit Wes Montgomery enthält. Ich denke, es ist vom Zitatrecht gedeckt, wenn ich das hier wiedergebe:

Stimmt es, dass Sie einmal Wes Montgomery begegnet sind, den viele für den bis heute größten aller Jazzgitarristen halten?

Das war auf einer Schiffsfahrt, zu der ihn wohlhabende Fans eingeladen hatten. Ich habe mich auf das Boot geschmuggelt – zusammen mit meiner Gitarre. Als das Boot in der Mitte des Sees angekommen war, bin ich zu Wes gegangen, um ihm zu sagen, wie großartig ich ihn finde. Er hat mir damals etwas sehr Wichtiges über sein Improvisieren gesagt: Er versuche, sich jeden Ton, den er spielt, vorher vorzustellen – im Bruchteil einer Sekunde, bevor er den Ton tatsächlich spielt. Das habe ich nie vergessen.

Das Interview enthält auch noch eine böse Passage über den Produzenten Creed Taylor, der Wes zu einem Popfusion-Star machte und dasselbe auch mit Larry Coryell versuchte.

Quelle

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R.I.P. Melvin Rhyne

Melvin Rhyne – The Legend

Melvin Rhyne – The Legend

Der Jazz-Organist Melvin Rhyne ist am Dienstag nach schwerer Krankheit gestorben. Rhyne stammte aus Indianapolis und wurde durch seine Zusammenarbeit mit Wes Montgomery bekannt. Zuvor hatte er unter anderem T-Bone Walker und Rahsaan Roland Kirk begleitet. Melvin Rhyne spielte auf insgesamt vier Wes-Alben: The Wes Montgomery Trio: A Dynamic New Sound (1959), Guitar on the Go, Boss Guitar, and Portrait of Wes (alle 1963). 1960 nahm Melvin Rhyne die Platte Organ-izing auf, unter anderem mit Tenorsaxophonist Johnny Griffin, Trompeter Blue Mitchell and Drummer Albert „Tootie“ Heath. Nach den Jahren mit Wes Montgomery zog Melvin Rhyne nach Wisconsin. Ab den 1990er Jahren nahm seine Karriere wieder Fahrt auf. Er nahm zahlreiche Alben auf, unter anderem mit Peter Bernstein und Joshua Redman. Melvin Rhyne wurde 76 Jahre alt.

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West Coast Blues

Ich weiß gar nicht, ob ich die Aufnahme aus dem NDR-Workshop von 1965 jemals so ausführlich gesehen habe. Sehr schön zu bemerken ist, wie Wes letzte Anweisungen zu seinem Stück gibt. Und auch den Abspann kannte ich bislang nicht, wo Wes im Hintergrund noch ein paar hübsche Akkorde spielt, während die anderen schon abräumen.

Wes Montgomery Octet: Hans Koller (alto saxophone), Ronnie Scotts (tenor saxophone), Johnny Griffin (tenor saxophone), Ronnie Ross (baritone saxophone), Martial Solal (piano), Wes Montgomery (guitar), Michel Gaudry (bass), Ronnie Stephenson (drums).

(Auf dem iPad kann es sein, dass hier ein anderes Video angezeigt wird. Keine Ahnung, warum.)

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Noch mehr Liveaufnahmen

Hmm, was wohl noch alles mit den Jahren an unbekannten Liveaufnahmen von Wes Montgomery erscheinen wird? Die Seattle Times hat gerade ein Porträt von Radio-Macher Jim Wilke veröffentlicht, der daheim auf einem Archiv unveröffentlichter Tapes aus den 1960er Jahren sitzt. Sie wurden in einem Club in Seattle namens „The Penthouse“ aufgenommen bzw. live im Radio gesendet.

As musicians such as John Coltrane, Stan Getz or Wes Montgomery played at The Penthouse, most agreed to have their Thursday night shows broadcast live for half an hour. It was Wilke who set up the mixing equipment, did the announcing and ran the control board.

Jazz fans would hear the show, says Wilke, and drive down that same night to the club to take in the second set.

For now, the tapes stay unplayed for the public. But Wilke says there has been interest in releasing the recordings.

„I want to make sure all the rights are taken care of, and the musicians or their estates are compensated.“

Mal sehen, ob wir da noch etwas hören!

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Neue Liveaufnahmen von Wes Montgomery

Überraschung kurz vor Weihnachten: Die US-Seite Wolfgang’s Vault hat mehr oder weniger still und heimlich (ich habe den offiziellen Release Anfang November jedenfalls verpasst, obwohl ich seit Jahren jeden Newsletter danach durchsuche!) bislang unbekannte Live-Aufnahmen von Wes Montgomery bzw. den Montgomery Brothers veröffentlicht. Es handelt sich um drei Stücke vom Newport Jazz Festival 1967 – ein relativ kurzer Ausschnitt eines vermutlich deutlich längeren Auftritts am 3. Juli 1967. Wes spielt mit seinen Brüdern Buddy und Monk sowie mit Drummer Grady Tate. In zwei Stücken ist noch ein Percussionist zu hören, der bei den Angaben auf Wolfgang’s Vault nicht erwähnt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Ray Barretto handelt, mit dem Wes im Sommer 1967 mehrere Studioaufnahmen einspielte.

Wes MontgomeryDie Aufnahmen, die jetzt bei Wolfgang’s Vault dokumentiert wurden, zeigen Wes in absoluter Oktavlaune. Schon im Auftaktstück, der Wes-Komposition Naptown Blues, zeigt er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Nach einer längeren Singlenote-Passage geht Wes zur einem sehr dynamischen Oktavspiel über. Im engen rhythmischen Zusammenspiel mit seinen Brüdern treibt er das Stück voran.

Es folgt eine nur rund zweiminütige Version von Goin’ Out of My Head. Das  Thema des Popsongs spielt er in Oktaven, großartig begleitet von Monk und mit einem lässigen Groove, angereichert durch die Percussions von (vermutlich) Ray Barretto. Ein Solo fehlt. Das wird dann ausführlich in Tequila nachgereicht. Hier läuft Wes zu absoluter Hochform auf. Auch hier ist es ein straighter, von Drums und Percussions getragener Groove, der Wes’ Spiel beflügelt. Dabei hält er sich gar nicht erst mit Singlenotes auf. Mit seinen Oktaven gibt er gleich nach dem Thema richtig Gas und bremst auch nicht mehr ab. In einer grandiosen Abfolge immer neuen Ideen zeigt sich Wes hier in einer geradezu beängstigenden Form. Die ganzen knapp fünf Minuten des Gitarrensolos sind ein Manifest seiner Musikalität, seines außergewöhnlichen Rhythmusgefühls und seiner Technik.

Wolfgang’s Vault, die das Archiv des Newport Festivals besitzen und nach und nach aufarbeiten und veröffentlichen, schenken uns mit dieser Viertelstunde einen wirklich kostbaren Einblick in ein kaum dokumentiertes Kapitel, nämlich das späte Zusammenspiel der drei Montgomery Brothers, die hier, knapp ein Jahr vor dem Tod des Gitarristen, wie ich finde so großartig wie nie zuvor performen. Ich will mehr davon!

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Wes-Tribute mit Jimmy Cobb und Harold Mabern

Jimmy CobbJazz-Promoter Todd Barkan, zuletzt für das Programm eines der Clubs bei Jazz at Lincoln Center zuständig, startet im Iridium in Manhatten eine neue Konzertserie. Für den Auftakt hat er eine besondere Überraschung aus dem Hut gezaubert. Ab dem 2. Januar wird es ein Wes-Tribute geben, und zwar mit zwei Musikern, die noch mit Wes Montgomery intensiv gespielt haben: Drummer Jimmy Cobb und Pianist Harold Mabern. Cobb hat erstmals 1963 mit Wes die LP “Boss Guitar” 1962 mit Wes “Full House” aufgenommen und gehörte später zum Wynton Kelly Trio, das mit Wes die berühmten Half-Note-Konzerte gespielt hat. Mabern gehörte zwei jahre lang zur Tourband von Wes und ist auf vielen Alben der Europa-Tournee von 1965 zu hören. An der Gitarre wird Peter Bernstein zu hören sein. Ich hatte schon vor einiger Zeit über ein größeres Wes-Tribute von ihm spekuliert. Bassist John Weber und der Saxophonist Eric Alexander komplettieren die Tribute-Band. Schön wäre es, wenn es Aufnahmen geben würde. (Hoffen wir zumindest auf ein paar Bootleg-Mitschnitte.)

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