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Wer hat noch Half-Note-Tapes im Schrank?

Vor einigen Tagen stellte der New Yorker Gitarrist Ed Cherry bei Facebook eine Frage: Wer hat noch eine Aufnahme, auf der Wes Montgomery im Half Note Club das Coltrane-Stück Giant Steps spielt?

Das ist eine Frage mit Sprengkraft, denn wie einige sogleich kommentieren Wes-Koryphäen wissen: Es gibt keine bekannte Aufnahme, auf der Wes mit Giant Steps zu hören ist, weder aus dem Half Note noch aus irgend einem anderen Club.

Nun ist Ed Cherry nicht irgendwer, und wenn er behauptet, er hätte einst ein solches Tape besessen, und Wes hätte darauf ein exzellentes Chordsolo über Giant Steps gespielt, dann hat das viel Glaubwürdigkeit.

Kann es also sein, dass ein solches Tape existiert?

Die Antwort ist wohl: ja, warum nicht. Es zirkuliert längst nicht alles, was zum Beispiel bei Jazzdisco.org mittlerweile an 1965er Sessiondates im Half Note verzeichnet ist. Auf Platte erschienen sind ja nur das Album „Smokin‘ at the Half Note“, das mit Overdubs bearbeitete „Willow Weep for Me“ und das Bootleg-Album „Smokin‘ Guitar“. Darüber hinaus liefen über spezielle Plattformen noch Aufnahmen, die im Vorfeld der Europa-Tour in der Besetzung mit dem Pianisten Harold Mabern gemacht wurden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es darüber hinaus noch weitere Tapes aus dem Half Note gibt, ist sehr hoch. Nur, wer hat sie? Und wann wird Zev Feldman sie veröffentlichen ;-) Ed Cherry hat seine Bänder offensichtlich verloren. Wie schade.

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Smokin’ in Seattle – die Rezension

Jetzt ist es erhältlich, das Album des Wynton Kelly Trios mit Wes Montgomery mit unveröffentlichten Aufnahmen aus dem Jahr 1966. Die Erwartungen waren groß, denn die bislang bekannten Einspielungen dieser Formation gehören zum besten, was uns von Wes überliefert ist. Hält Smokin‘ in Seattle diesem Druck stand? Wes-Biograph Oliver Dunskus hat sich das neue Album angehört und berichtet hier exklusiv von seinem ersten Eindruck!

Smokin' in Seattle

Smokin‘ in Seattle

Die Titel (mit Wes)

3. Jingles 4:31

4. What’s New? 4:51

5. Blues in F 2:44

8. West Coast Blues 3:56

9. O Amor Em Paz (Once I Loved) 6:15

10. Oleo 2:08

 

Wynton Kelly Trio / Wes Montgomery: Smokin’ in Seattle

Das Resonance Label hat uns in den letzten Jahren eine Reihe von neuen, ungewöhnlichen Wes Montgomery Platten beschert, wobei man sich zuerst auf die Veröffentlichung sehr früher, unveröffentlichter Aufnahmen konzentrierte und mit den ersten fünf Platten die Lücke von 1950 bis 1957 schloss, in der Wes nach eigener Aussage am besten gespielt haben will. Mit Smokin’ in Seattle ist dem Label nun ein anderer, großer Wurf gelungen. Die Live Aufnahmen von Wes mit dem Wynton Kelly Trio zählen gemeinhin zum Besten was es von dem ikonischen Gitarristen gibt, und das beschränkte sich bislang auf Full House (erschienen 1962 bei Riverside) und auf Smokin’ at the Half Note (Verve, 1965) dessen Aufnahmen anfangs nicht vollständig veröffentlicht wurde, aber das ist eine andere Geschichte. Zu diesen beiden Alben gesellt sich nun ein Drittes.

Die Soundqualität

Was ist also so besonders an Smokin’ in Seattle? Die Aufnahmen sind angeblich vom April 1966, und wären somit die letzten auf Platte erschienenen Liveaufahmen die es von Wes bislang gibt. Sie entstanden in einem Club in Seattle und wurden vom Clubbesitzer mit vier Mikrophonen per Tonband mitgeschnitten, um sie im Radio zu übertragen. Danach verschwanden sie in seinem Archiv, bis Zev Feldman, Produzent von Resonance Records und eine Art Jäger der verlorenen Schätze, sie bei der Familie wiederentdeckte und für sein Plattenlabel hervorragend restaurierte. Daher sind sie in guter musikalischer und akustischer Qualität.

Das Zusammenspiel

Mit Ron McClure am Bass wird hier ein neuer Mitmusiker vorgestellt, der für Paul Chambers eingesprungen war, der gesundheitsbedingt ausgefallen war. (Was für ein beeindruckender Karrierebeginn! Kopfüber plötzlich zwischen Wes und zwei Musikern von Miles Davis’ Kind of Blue zu starten.) Und sie entstanden auf der Höhe von Wes’ Ruhm, als sein Studioalbum Going Out of my Head sich ausgesprochen erfolgreich verkaufte Musikalisch kann Live in Seattle mit den beiden anderen berühmten Vorgängerplatten mithalten. Wes ist auf seinen Studioalben im Allgemeinen verhaltener als Live, und gerade mit dem Wynton Kelly Trio spielte er häufig. Man hört deutlich, wie synchron das Trio spielt, wie entspannt Wes sich fühlte, wie Kelly und McClure Akzente gekonnt passen zur Gitarre setzen und wie hier Virtuosität auf unverkrampfte Weise stattfindet. „The ideal of what is possible to achieve in music“ schreibt Pat Metheny über diese Auftritte.

Die einzelnen Titel

Nun zu den Titel, zumindest zu denen mit Wes, denn es befinden sich noch sechs reine Klavier-Trio Titel – ohne Wes – auf der Platte, denn das Wynton Kelly Trio eröffnete im allgemeinen die Konzerte, und Wes kam dann nach einigen Titeln hinzu. Jingles zählt zwar zu den meistaufgenommenen Titeln von Wes doch sie unterscheiden sich, selbst bei gleichen Tempi deutlich voneinander. Immer kommen Wes neue Ideen für seine Soli, als ob er sich selber stets dazu herausfordern würde, sich nicht zu wiederholen. West Coast Blues, Wes musikalische Visitenkarte, gibt es hier zum ersten Mal live zu hören. O Amor Em Paz (Once I Loved) ist überraschenderweise falsch als O Morro Nao Tem Vez tituliert. Dieses Stück fand sich bereits auf dem Going Out of My Head Studioalbum, hat aber in dieser Interpretation solistisch mehr Ähnlichkeit mit der Version, die Pat Martino ein Jahr später auf seinem ersten Soloalbum El Hombre in einem Cha-cha-cha-Rhythmus einspielte. Die Ballade What’s New kennen wir ja schon von den Half Note Aufnahmen, und Wes verwendet auch hier wieder den Tremolo-Effekt seines Verstärkers, was ihn zwar etwas anders klingen läßt, jedoch durch den guten Geschmack seiner Soli niemals verspielt wirkt. Und zum ersten Mal hören wir von Wes den Sonny Rollins Titel Oleo, der jedoch leider nach zwei Minuten ausgeblendet wurde, denn die Radiosendung, für die diese Aufnahme entstand, war auf genau eine halbe Stunde beschränkt.

Kommt noch mehr?

Bei Resonance Records gibt man sich immer viel Mühe, mit Vinyl Erstveröffentlichungen, mit der Hülle und den Klappentexten, so auch hier: Es gibt wieder Artwork von Burton Yount, sowie passende Interviews mit den Mitmusikern, denn Wes’ Lieblingsdrummer Jimmy Cobb und Bassist Ron McClure sind beide noch aktiv. Dazu noch Kommentare von Pat Metheny dem man hoch anrechnen sollte, dass er auch immer eine Lanze für den kommerziellen Wes gebrochen hat. Das war hier nicht nötig. Und hoffentlich liegt dort, wo diese Aufnahmen sich befanden, noch mehr, damit wir jedes Jahr ein weiteres Wes-Schätzchen von Resonance Records kriegen.

Text: Oliver Dunskus

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NEUE AUFNAHMEN! Wes und das Wynton Kelly Trio 1966

Smokin' in Seattle

Smokin‘ in Seattle

Produzent Zev Feldman hat in den letzten Jahren unser Wissen über Wes Montgomery und seine Musik in unvergleichlicher Weise erweitert. Der Kopf hinter Resonance Records hat es mehrfach geschafft, komplett unbekannte Aufnahmen aufzustöbern und zu restaurieren. Und jetzt hat er es wieder getan: April/Mai gibt es neue Aufnahmen von Wes Montgomery und dem Wynton Kelly Trio, aufgenommen 1966 in Seattle. Ein echter Hammer für Wesheads, denn die Montgomery/Kelly-Aufnahmen von 1965 aus New York (Smokin‘ at the Half Note) gelten vielen Fans als die besten, die Wes jemals gemacht hat. Wenn es jetzt noch einen bislang unbekannten Nachschlag gibt, dann wäre das eine Krönung von Feldmans Wes-Archäologie.

Wes Montgomery / Wynton Kelly Trio
Smokin‘ in Seattle: Live at the Penthouse (1966)

Das Album Smokin‘ In Seattle-Live At The Penthouse (1966)enthält ein bislang unveröffentlichtes Konzert von Wes Montgomery und der Pianolegende Wynton Kelly (u.a. Miles Davis Quintett) mit Bassist Ron McClure und Drummer Jimmy Cobb. Aufgenommen wurde das Konzert im Jazzclub The Penthouse in Seattle am 14. und am 21. April 1966.

Das neue Album von Resonance Records gibt es auch als Vinyl LP.Es enthält Liner Notes von Pat Metheny, Seattle Times Journalist Paul de Barros, Produzent Zev Feldman, vom ursprünglichen Aufnahmetechniker Jim Wilke sowie Interviews mit Jimmy Cobb und Pianist Kenny Barron.

Eine Deluxe Limited Edition LP erscheint bereits zum Record Store Day am 22. April 2017.  Die Version für alle, die Deluxe CD & Digital Edition ist ab dem 19. Mai 2017 erhältlich.

Alle Infos bei Resonance Records

 

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RIP Claus Ogerman(n)

Der Arrangeur und Komponist Claus Ogerman ist bereits im März 2016 im Alter von 85 Jahren gestorben. Das wurde aber erst jetzt offiziell bestätigt. Details über sein reiches Wirken kann man bei Spiegel Online nachlesen. Was dort nicht erwähnt wird: Ogerman hat auch mit Wes Montgomery zusammengearbeitet, und zwar an dem großartigen Album „Tequila“. Ich habe schon vor einigen Jahren eine Lobeshymne auf diese Aufnahmen geschrieben und dabei Ogerman ausgiebig gewürdigt: „Wes Montgomerys Flirt mit der Popmusik ist heftig diskutiert worden, und die meisten Musiker bevorzugen die frühen, reinen Jazz-Alben des Gitarristen. Und in der Tat sind unter der Ägide von Produzent Creed Taylor einige heftige musikalische Sünden an Wes begangen worden. Doch Tequila gehört definitiv nicht dazu. Und wenn ich mich nicht allzu sehr täusche, dann liegt das an der Arbeit des deutsch-amerikanischen Arrangeurs Claus Ogerman (eigentlich Ogermann), der bei sechs Titeln für die Streicher-Arrangements verantwortlich zeichnet.“ Hier weiterlesen.

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One Night in Indy – die Rezension

Mit „One Night in Indy“ legt Resonance Records eine weitere bislang verschollene Aufnahme aus den frühen Jahren Wes Montgomery vor. Was ist darauf zu hören? Wes-Biograph Oliver Dunskus hat die Antwort. Seine Rezension ordnet das Konzert auch in das Wes-Gesamtwerk ein.

wesliveWes Montgomery feat. The Eddie Higgins Trio – One Night in Indy

  1. Give Me The Simple Life 9:14
  2. Prelude to a Kiss 5:52
  3. Stompin’ at the Savoy 7:12
  4. Li’l Darling 8:09
  5. Ruby My Dear 8:35
  6. You’d Be So Nice to Come Home to 2:51

von Oliver Dunskus

Anfang 2014 verschied der Publizist und Fotograf Duncan Schiedt, der mit der Jazz-Szene von Indianapolis eng verbandelt war, und dem wir eine Reihe von Fotos aus der Zeit verdanken, als Wes Montgomery noch – eher unbekannt – in Indianapolis lebte. Kurz vor seinem Tod steuerte Schiedt einige dieser Bilder für das Album Echoes of Indiana Avenue (Resonance HCD-2011) bei. Bei dieser Gelegenheit drückte er dem Label Chef Zev Feldman ein Tonband in die Hand. Continue Reading →

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One Night in Indy – erscheint Anfang 2016

Der von Resonance Records vor fast einem Jahr angekündigte Live-Mitschnitt aus dem Jahr 1959 – „One Night in Indy“ – erscheint am 25. Januar 2016 auf CD. Bereits am 27. November gibt es eine Vinyl-Version, und zwar zur Record-Store-Day’s-Black-Friday-Aktion (also vermutlich wieder nicht in Deutschland).

Als Teaser gibt es bei PopMatters bereits ein Stück von dem Album zu hören: „Give me The Simple Live“. Der Mitschnitt entstand, wie der Albumname schon sagt, in einem Club in Wes Heimatstadt Indianapolis.

Das Konzert mit dem Trio des Pianisten Eddie Higgins ist die dritte Neuveröffentlichung von Resonance in Sachen Wes Montgomery.

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Wer ist der neue Wes?

Indaba Music und Resonance Records suchen den modernen Wes. Welcher Gitarrist zwischen 14 und 33 hat das Zeug dazu? Gefordert werden drei Stücke, eines davon muss ein Wes-Cover sein. In der Jury sitzt unter anderem Pat Martino. Der Sieger bekommt eine Geldprämie und eine Benedetto-Gitarre, das Pat Martino Signature Modell. Außerdem könne die fünf besten in NYC mit Pat Martino auf der Bühne stehen. Wenn das kein Anreiz ist! Deadline für die Einsendungen ist der 15. Juli 2015.

Zum Contest
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Do it like Wes …

Wohl auch, weil morgen, am 6. März, der Geburtstag von Wes ist, hat Jazzguitar.be eine neue Lektion veröffentlicht. Das kleine Blues-Solo ist im Stil von Wes gehalten, was finde ich auch ganz gut gelungen ist. Überhaupt bemüht sich Jazzguitar.be in letzter Zeit sehr um den Stil von Wes Montgomery, weshalb ich die Seite immer wieder gerne besuche. Ich verlinke hier nur das Video, aber auf der Website bekommt man auch Noten und Tabulator dazu. Viel Spaß beim Üben.

 

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