Author Archive | Meise

Diskographie-Updates

Ich habe in den vergangenen Wochen wieder etwas an der Diskographie gearbeitet und einige neue Kommentare hinzugefügt. Da dies in der Timeline nicht angezeigt wird, erlaube ich mir, die Hinweise hier noch einmal zusammenzufassen. Neue Seiten bzw. Kommentare gibt es zu folgenden Wes-Montgomery-Alben:

The Montgomery Brothers (Fantasy, 1961)
Bumpin‘ (Verve, 1965)
Live in Belgium (1965)
Down Here On The Ground (A&M, 1968)

Viel Spaß beim Lesen!

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Wes-Porträt hängt jetzt beim Gouverneur

Wes Montgomery by Joel Washington

Wes Montgomery by Joel Washington

Als Wes Montgomery in Indianapolis lebte, war das Land noch geprägt von Rassentrennung und Rassismus. Schwarze Jazzmusiker hatten lediglich kleine Refugien an der Indiana Avenue, um regelmäßig vor Publikum zu spielen. In den weißen Clubs der Stadt hatten sie nur hin und wieder Auftritte. Wie gut, dass sich die Zeiten geändert haben. Seit ein paar Tagen nun hängt ein Porträt von Wes Montgomery im Haus des Gouverneurs von Indiana, Mitch Daniel. Der Politiker hatte 2006 mit der Tradition gebrochen, an der Südwand seines Büro nur Porträts von Vorgängern in dem Amt aufzuhängen. Seither sind hier Bilder berühmter Persönlichkeiten des Bundesstaates zu sehen, zum Beispiel Cole Porter. Das Wes-Porträt, das jetzt die Wand ziert, wurde 1990 von Joel Washington gemalt und ist eine Leihgabe des Kunstmuseums der Indiana University. Was hätte Wes wohl dazu gesagt?

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R.I.P. Billy Taylor

Pianist und Radiomoderator Dr. Billy Taylor ist am 28. Dezember im Alter von 89 Jahren in Riverdale, New York, gestorben. Billy Taylors und Wes Montgomerys Wege kreuzten sich im Winter 1963/1964, als Wes in einer Sessionband mit u.a. Taylor, Grady Tate und Sänger Joe Williams einige Aufnahmen einspielte. Die Radiomitschnitte wurden unter dem Namen „The Navy Swings“ veröffentlicht (und sind heute unter „Wes Montgomery & the Billy Taylor Trio“ erhältlich).

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Frohe Weihnachten, Wesheads!

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In den glorreichen 1960er Jahren, als dir noch nicht jeder dahergelaufene Medienberater empfohlen hat, im TV möglichst lange Socken zu tragen, durften Moderatoren noch ganz schamlos Bein zeigen, unmotiviert auf einem Bürostuhl herumwackeln und sich dabei mit den Händen an den Eiern herumspielen. Dieser Teil des Wes-Montgomery-Auftritts im britischen Fernsehen, in dem sich der Moderator ein paar Jokes über Wes Nachkommenschaft erlaubt und man endlich weiß, warum der Gitarrist hinterher so grinst, kannte ich bislang noch nicht, und ich danke Wolf Martini für den sachdienlichen Hinweis. In diesem Sinne, allen Besuchern dieses kleinen Wes-Blogs ein frohes Fest, ein volles Haus und ein erfolgreiches Jahr 2011!

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Body And Soul

Body and Soul CD CoverBei Fenn Music ist jetzt eine lange Zeit nicht erhältliche Aufnahme wieder lieferbar: „Body And Soul“. Dabei handelt es sich um Liveaufnahmen aus Ronny Scotts Jazzclub in London, also von der Europatour 1965. Zu dem Quartett gehörten Stan Tracey (p), Rick Laird (b) und Ronnie Stevenson (dr), also Musiker aus dem Umfeld von Ronnie Scott. Scott begrüßt Wes zu Beginn als den „größten Gitarristen der Welt“, was dieser dann auch versucht unter Beweis zu stellen. Neben gängigen Standards enthält das Album auch einen einfachen „Wes Easy Blues“ (eigentlich D-Natural Blues) und das unter Gitarristen hoch geschätzte „Mi Cosa“ (hier als „Solo Ballad in A Major“ gelistet). Mehr dazu hier.

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Pat Martino mal wieder über Wes

„I was more interested in Wes’s presence as a gracious human being. Really, a wonderful, wonderful person with a lot of gratitude for his accomplishments. It was obvious on his face, the smiles and the twinkle in his eyes. It was just a wonderful thing. That’s always been what the guitar has been to me.“ Pat Martino in Guitar International. Sehr lesenswertes Interview, wie so oft bei Pat Martino.

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News im Herbst

1. Die Concord Music Group veröffentlicht derzeit 24-Bit-remasterte Versionen mehrerer klassischer Jazzalben, u. a. von Bill Evans oder Chet Baker. Mit dabei: „Boss Guitar“ von Wes Montgomery. Das Album gehört zu den Hammond-Trio-Aufnahmen, die Wes mit Organist Melvin Rhyne für Riverside gemacht hat. Auf Boss Guitar sitzt Jimmy Cobb an den Drums, und zwar einen Tag, nachdem er das Miles Davis Quintett verließ. Neue Linernotes von Neil Tesser beleuchten die Entstehungsgeschichte des Albums, das zu den besten Riverside-Aufnahmen Wes Montgomerys zählt.

2. Werden die späten Wes-Alben wie „Road Song“ oder „A Day in the Life“ jetzt neu entdeckt? Die Arbeiten von Arrangeur Don Sebesky und Produzent Creed Taylor galten bislang als der musikalische Tiefpunkt in Wes‘ Karriere. Doch Sony entdeckt gerade das Potenzial jener Popjazz-Phase neu, die Mitte der 1960er mit dem A&M-Label begann und sich dann mit Taylors CTI-Label in den Siebzigern fortsetzte. Eine 4-CD-Kompilation klassischer CTI-Alben feiert gerade die „Cool Revolution“ der Aufnahmen, die als Vorläufer des Smooth- bzw Fahrstuhl-Jazz gelten. US-Kritiker Bob Karlovits jedenfalls sieht eine Neubewertung der „Golden Time“ im Anzug.

3. In Gitarre & Bass 11/2010 gibt es einen  Wes-Montgomery-Workshop. Behandelt wird seine berühmte Interpretation von „Round Midnight“ (von „The Wes Montgomery Trio“, 1959).

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Zwei aus Indianapolis

Beim „Blick über den Tellerrand“ bin ich auf eine Aufnahme von J. J. Johnson gestoßen, die erst vor wenigen Tagen veröffentlicht worden ist und interessante Bezüge zu Wes Montgomery aufweist. Bei der Aufnahme handelt es sich um einen Mitschnitt vom Newport Jazz Festival 1964, bei dem der berühmte Bebop-Posaunist mit einem Quartett auftritt, bestehend aus Harold Mabern (p), Arthur Harper (p) und Louis Hayes (dr). Ein Jahr später gehören Mabern und Harper zu dem Quartett, das Wes Montgomery auf der Europatournee begleitet. Und wie Mabern berichtet, war dieses Quartett auch schon zuvor mit Wes in den USA unterwegs.

J. J. Johnson

J. J. Johnson

Biographisch ist diese Johnson-Aufnahme insofern interessant, als es bislang keinerlei (zumindest keine mir bekannten) Beziehungen gab zwischen Wes und J. J. Johnson, obwohl beide aus Indianapolis stammten und etwa zur selben Zeit geboren sind. Diese neue Aufnahme zeigt nun zumindest, dass sich beide zur gleichen Zeit in denselben Musikerkreisen bewegten. Auch vom Repertoire her ist interessant, dass es mit Coltranes „Impressions“ einen damals noch recht jungen Titel gibt, den beide interpretieren.

Noch einmal zur Biographie: Im Gegensatz zu Wes, der seiner Heimatstadt immer treu blieb, ging Johnson schon recht früh nach Chicago und New York. Daraus erklärt sich wohl, dass beide Musiker nie gemeinsam arbeiteten. Der Posaunist steht auch in keiner Beziehung zum Montgomery-Johnson-Quintet, dem Mitte der 1950er Jahren aktiven Vorläufer der Montgomery Brothers. Allerdings: Wie Wes wurde Johnson nicht nur in Indianapolis geboren, sondern starb auch hier. Gemeinsam mit Trompeter Freddie Hubbard gehören sie zu den „großen Drei“ Jazzern, die die Stadt hervorgebracht hat.

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Wes-Gitarre gehört jetzt Pat Metheny

Das kanadische Online-Magazin Straight.com hat eine sehr interessante Geschichte über George Benson veröffentlicht. Neben der Information, dass Benson gerade mit Ibanez einen neuen Gitarrenverstärker entwickelt, findet sich ganz am Ende ein Hinweis, den ich bislang nicht kannte: Eine von Wes Montgomerys Gibson L-5 war lange Zeit im Besitz von Benson. Und: Bei einer Auktion im vergangenen Jahr wurde sie von niemand Geringerem ersteigert als Pat Metheny!

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Gibson.com mit seltsamer Top-50-Liste

Gitarrenhersteller Gibson hat in den letzten Wochen eine Liste der „50 besten Gitarristen aller Zeiten“ veröffentlicht. Wes Montgomery landete hier auf Platz 18. Man sollte diese Position jedoch nicht überbewerten, denn nicht umsonst wird die Liste bereits in den Kommentaren heftig zerpflückt. Platz 5 für Chuck Berry? Platz 10 für Pete Townsend? George Harrison, Steve Cropper und Mike Bloomfield noch vor Wes? Charlie Christian auf Platz 36? Carlos Santana und Pat Metheny ohne Platzierung? Wer immer diese Liste erdacht hat, muss seine Hausaufgaben nicht wirklich gemacht haben. Immerhin der Unterhaltungswert der Top 50 ist nicht zu unterschätzen.

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Harold Mabern über Wes Montgomery

Harold MabernVor einigen Wochen habe ich hier die BBC-Transkriptionen von Tim Fitzgerald vorgestellt. In der Zwischenzeit hat Tim einen weiteren Teil des Buch auf seiner Seite frei zugänglich gemacht: das Interview mit Harold Mabern. Der Pianist, dessen Zusammenarbeit mit Wes lediglich über die während der Europa-Tournee 1965 gemachten Mitschnitte (und im Netz kursierende Aufnahmen aus dem Half Note Club vom Februar 1965) dokumentiert ist, erzählt hier, dass das Quartett mit Arthur Harper und Jimmy Lovelace bereits zwei Jahre zuvor in den USA intensiv getourt ist. Zu den interessanten Erkenntnissen aus dem Interview gehört, dass die vier in Wes Auto durch die Lande fuhren und ihr ganzes Instrumentarium darin unterbringen mussten. Wes saß übrigens am Steuer. Neben reichlich Lob über den sympathischen Charakter des Gitarristen erzählt Mabern auch, dass Wes während der Tourneen regelmäßig auf seinem Instrument geübt hat. Wes war eben ein fleißiger Mann …

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