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Wes und seine Gitarren

Gibson-Spezialanfertigung für Wes Montgomery

Gibson-Spezialanfertigung für Wes Montgomery

Das Genie des Gitarristen Wes Montgomery lag in seinen Händen und seinen musikalischen Ideen. Doch natürlich spielte auch die „Hardware“, die er benutzte, eine wichtige Rolle beim Entstehen des typischen Wes-Montgomery-Sounds. Bekannt ist, dass Wes meistens eine Gibson L5 spielte, eine der bis heute besten und hochwertigsten Jazzgitarren überhaupt. Doch damit hört das Wissen über Wes Equipment bei mir auch schon beinahe auf. Wie gut, dass ich den (bereits im vorherigen Post erwähnten) Wes-Experten Oliver Dunskus dazu überreden konnte, für mich und natürlich alle Leser dieses Blogs ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Oliver hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, sein Wissen in einen ausführlichen Text zu gießen: Wes Montgomerys Gitarren. Ich habe eine Menge Neues gelernt und freue mich gleichzeitig über den ersten Gastbeitrag auf dieser Seite!

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Zum Gastbeitrag „Wes Montgomerys Gitarren“

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Vor 50 Jahren: The Incredible Jazz Guitar

Vor einem halben Jahrhundert war Wes Montgomery in New York, um sein zweites Album für das Plattenlabel Riverside aufzunehmen. Am 26. und 28. Januar 1960 nahm er mit Tommy Flanagan (p), Percy Heath (b) und Al Heath (dr) das wegweisende Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ auf. Parallel arbeite er mit Nat Adderley an dessen Album „Work Song“. Mit „Incredible Jazz Guitar“ gelang Wes Wontgomery der Durchbruch zum US-weit anerkannten Gitarristen. Mehr über das Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ hier.

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Stunning images of Wes Montgomery

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür, und als kleines Dankeschön für diejenigen, die regelmäßig auf dieser kleinen Seite vorbeischauen, veröffentliche ich heute hier ein paar Fotos von Wes Montgomery, die die wenigsten bisher gesehen haben dürften.

Wes Montgomery, San Remo 1965 © Roberto Polillo

Wes Montgomery, San Remo 1965 © Roberto Polillo

Obwohl Wes Montgomery in den 1960er Jahren zu den populärsten Jazzmusikern gehörte, gibt es überraschend wenig Fotos von ihm. Es gibt rund zwei Dutzend Motive, die meist benutzt werden, und dann noch ein Reihe von Bildern im Archiv von Corbis – das war’s. Und im Vergleich mit der hohen Kunst der Jazz-Fotografie besitzen die bekannten Bilder von Wes einen, nun ja, eher dokumentarischen Charakter.

Die Fotos von Wes Montgomery, über die ich jetzt bei Flickr gestolpert sind, spielen da qualitativ in einer anderen Liga. Continue Reading →

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Wes Montgomery – Impressions (Video 1965)

Weil morgen Nikolaus ist, hier ein Video aus dem Jahr 1965, aufgenommen für das belgische Fernsehen auf der einzigen Wes-Tour außerhalb Nordamerikas. John Coltranes Impressions ist eines der Vorzeigestücke im Repertoire des Gitarristen und zeigt, dass Wes musikalisch auf der Höhe der Zeit war. Erst ab 1959/60 haben Miles und Coltrane (Impressions beruht auf den Changes von Miles‘ So What) die modale Improvisation in den Jazz eingeführt. Hier liegt das Stück in einer TV-kompatiben Kurzform vor:
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Trotz der zeitlichen Beschränkung im Rahmen des TV-Auftritts lässt Wes Montgomery an mehreren Stellen sein Können kurz aufblitzen. Begleitet wird Wes von seinem Tour-Quartett, bestehend aus Harold Mabern (p), Arthur Harper (b) und Jimmy Lovelace (dr). Außerdem kann ich nicht oft genug betonen, wie lohnenswert die Jazz-Icons-DVD Live in ’65 ist.

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Pat Metheny über Wes Montgomery

The Pat Metheny Interviews“ ist ein neues Buch von Richard Niles. Es handelt sich um die Abschrift eines TV-Features, das Niles 2007 für die BBC produziert hat (Pat Metheny – Bright Size Life). Dabei hat er Metheny, den er aus einer gemeinsame Zeit am Berklee College kennt, mehrmals interviewt. In dem Buch gibt es zwei längere Passagen, in denen Pat über den Einfluss spricht, den Wes Montgomery auf sein Spiel hatte. Ich habe die Passagen auszugsweise übersetzt. Da dies nicht mein Beruf ist, bitte ich einige holprige Formulierungen zu entschuldigen:
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Vor 50 Jahren: Wes geht nach New York

Wes Montgomery Trio

Wes Montgomery Trio

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Wes Montgomery den vielleicht wichtigsten Schritt seiner Karriere gegangen ist. Wenige Wochen, nachdem der Produzent Orrin Keepnews nach Indianapolis gereist war, um sich auf Empfehlung von Cannonball Adderley diesen bislang noch unbekannten Gitarristen anzuhören, reist Wes Montgomery nach New York – ausgerüstet mit einem frisch unterzeichneten Plattenvertrag. Am 5. und 6. Oktober steht er erstmals für das Label Riverside im Studio. Gemeinsam mit Organist Melvin Rhyne und Drummer Paul Parker – beide sind Musiker aus Indianapolis – nimmt Wes das Album „The Wes Montgomery Trio“ auf. Es legt die Grundlage für seinen musikalischen Erfolg in den kommenden Jahren, auch wenn er erst mit dem nachfolgenden Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ seinen eigentlichen Durchbruch erzielt.

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Mehr zu dem Album „The Wes Montgomery Trio“ habe ich an dieser Stelle geschrieben.

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„Buddy“ Montgomery gestorben

Buddy Montgomery

Buddy Montgomery

Wes Montgomerys jüngerer Bruder Charles „Buddy“ Montgomery ist in der vergangenen Woche im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Vibraphonist und Pianist bildete gemeinsam mit Wes und Monk die Montgomery Brothers, die Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre diverse Aufnahmen machten und bis zu Wes Tod 1968 immer wieder auftraten. Gemeinsam mit Bruder Monk bildete er außerdem den Kern der Mastersounds, die (zum Teil auch mit Wes) Ende der 1950er Jahre an der amerikanischen Westküste populär waren. 1960 spielte Buddy kurz in der Band von Miles Davis, später formte er ein eigenes Trio und arbeitete als Musiklehrer. Charles Montgomery (30. Januar 1930 – 14. Mai 2009) starb in seinem Haus im kalifornischen Palmdale an Herzversagen.

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Creed Taylor: Die Beatles flippten aus

Creed Taylor, Produzent der späten Alben Wes Montgomerys, auf die Frage, warum Hubert Laws den Song „Let It Be“ ein halbes Jahr vor den Beatles veröffentlichen konnte:

JW: But while the song Let It Be was recorded in January 1969, it wasn’t released as a single until March 1970, followed by the album in May. How did you get a hold of the song in mid-1969?
CT: CTI and George Martin shared the same U.S. attorney at the time. I had given the attorney a copy of Wes Montgomery’s A Day in the Life in 1967 and he took it back to Paul McCartney. The Beatles flipped out about it. They liked it so much that Paul in 1969 sent me a run through tape of what he had done on Let It Be.

Die Beatles also „flippten aus“, als sie Wes‘ Version von A Day In The Life hörten! (Und schickten Taylor ein Demotape mit dem Hinweis, er könne das Stück benutzen.) Das ist interessant und wird von Creed Taylor sicher gerne erzählt, denn bis heute muss er reichlich Prügel für seine kommerziellen Wes-Alben einstecken. Das Zitat stammt aus einem sehr ausführlichen Interview bei All About Jazz.

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Wes Spieltechnik – Der Mann mit dem Daumen

„The Thumb“ heißt eine der Kompositionen von Wes Montgomery, zu finden ist sie auf dem Album Tequila. „Der Daumen“, das bezieht sich auf die Art und Weise, wie Wes sein Instrument spielt. Denn anders als die allermeisten Jazzgitarristen benutzte er keinen Pick, sondern den Daumen, um die Saiten anzuschlagen. Diese Technik ist ebenso ungewöhnlich wie typisch für den Autodidakten Montgomery. Was den Sound des Gitarristen so sonst noch so faszinierend macht? Ich habe an dieser Stelle ein paar Sätze dazu geschrieben.

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Freddie Hubbard gestorben

Freddie Hubbard

Freddie Hubbard

Am 29. Dezember 2008 ist ein weiterer wichtiger Jazz-Musiker gestorben: Freddie Hubbard. Der Trompeter kam, ebenso wie Wes Montgomery, aus Indianapolis. Bereits als 19-Jähriger stand Hubbard erstmals im Studio — gemeinsam mit den Montgomery Brothers. Auf „The Montgomery Brothers And Five Others“ sind der Nachwelt die ersten, noch etwas unsicheren Schritte des Musikers überliefert. Auch für Wes Montgomery war die Schallplatte die erste veröffentlichte Aufnahme seit seiner Zeit im Lionel Hampton Orchestra.

Kurz nach den Aufnahmen mit den Montgomery Brothers ging Freddie Hubbard nach New York, um sich dort innerhalb weniger Jahre in die Jazz-Elite zu spielen. Mit Alben wie „Ready for Freddie“ oder „Red Clay“ hat sich Hubbard fest in die Geschichte des Jazz eingeschrieben. Der 1938 geborene Hubbard starb in Los Angeles an den Folgen eines im November erlittenen Herzinfarkts.

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CD-Tipp: Groove Brothers

Zwei Aufnahmen, die lange Zeit in meiner Wes-Montgomery-Sammlung fehlten, waren die Alben The Montgomery Brothers von 1960 und The Montgomery Brothers in Canada von 1961. Sie entstanden, als Wes bereits bei Riverside unter Vertrag war, und wurden beim in San Francisco ansässigen Label Fantasy Records veröffentlicht. Jetzt habe ich endlich verstanden, dass es beide Alben für kleines Geld auf einer CD gibt. Die CD heißt Groove Brothers, ist bereits 1998 erschienen und immer noch bei den einschlägigen Onlinehändlern zu bekommen, wenngleich teilweise mit etwas längerer Lieferzeit. Aber was erhält man nun?

Wes Montgomery -- Groovebrothers

Groove Brothers

In den Jahren 1960 und 1961, nach dem Erfolg der ersten Riverside-Aufnahmen Wes Montgomerys, revitalisiert Wes die Montgomery Brothers, mit denen er zunächst in Indianapolis, später in Kalifornien immer wieder gespielt hat. Aus dieser Periode resultieren insgesamt fünf Alben. Neben den beiden oben genannten Fantasy-Alben gehören dazu noch Groove Yard (Riverside, 1961), Live At Jorgies Jazz Club (VGM 1961) und George Shearing and the Montgomery Brothers (Jazzland/Fantasy 1961).

Die genauen Daten von The Montgomery Brothers sind verloren gegangen. Die Studio-Aufnahmen fanden im Herbst 1960 in San Francisco statt. Nach Auftritten in New York, wo Groove Yard entsteht, gehen die Brüder auf Kanada-Tournee. Im Frühjahr 1961 (auch hier ist das genaue Datum unbekannt) wird im Jazzclub The Cellar in Vancouver The Montgomery Brothers in Canada eingespielt. Es handelt sich um Liveaufnahmen im Club, allerdings wohl nur vor kleinem Publikum. Auf dem ursprünglichen Album wurde am Ende der Stücke tosender Applaus eingeblendet. Dieser stammt jedoch vom Cal-Tjader-Album Concert By The Sea, das ebenfalls bei Fantasy erschienen ist. Bei der Wiederveröffentlichung auf Groove Brothers wurde dieser Applaus wieder entfernt.

Das Repertoire der beiden Alben besteht zum überwiegenden Teil aus Standards wie Lover Man oder On Green Dolphin Street. Zum Studioalbum steuert Wes zwei Kompositionen bei, die bereits kurz zuvor auf seinen beiden ersten Riverside-Alben zu hören waren: D-Natural Blues (Monterey Blues) und Jingles. Bruder Buddy liefert mit Buddy’s Tune ebenfalls etwas Eigenes ab. Aus seiner Feder stammt auch das Stück Beaux Arts auf in Canada. Letzteres ist ohne Zweifel der musikalische Höhepunkt beider Alben und so etwas wie ein ungehobener Schatz. In den Linernotes zu Groove Brothers hebt Steve Kahn hervor, wie Wes hier sein improvisatorisches Können mit fließenden Singlenote-Linien und Akkorden zeigt.

Fazit: Groove Brothers vereinigt zwei seltene Aufnahmen von Wes Montgomery und ist alleine schon deshalb interessant. Musikalisch geht es hier etwas braver zur Sache als auf seinen zuvor eingespielten Riverside-Alben. Mit Beaux Arts enthält die CD jedoch ein Highlight, das man als Wes-Fan kennen sollte.

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40. Todestag von Wes Montgomery

Vor 40 Jahren, am 15. Juni 1968, starb Wes Montgomery an einem Herzinfarkt. Er war gerade 45 Jahre alt und stand musikalisch im Zenit seines Erfolges. Wie viele Jazz-Musiker starb Wes Montgomery vor seiner Zeit. Während die meisten aufgrund exzessiven Drogenkonsums den Tod fanden, war es bei Wes eine Mischung aus Jahrzehnten harter Arbeit, ungesunder Lebensweise und vermutlich einer Herzkrankheit, die nicht früh genug oder nicht ausreichend behandelt wurde.

Wes war Kettenraucher, es gibt kaum ein Foto, das ihn ohne Zigarette zeigt. Er war aber auch ein Schlafloser, der neben einem Daytime-Job noch zwei Club-Gigs in der Nacht machte, um seine schnell größer werdende Familie zu ernähren. Er hat diese Ochsentour viele Jahre in Indianopolis durchgezogen, das ist durch zahlreiche Zeitzeugen verbürgt. Und auch spätere Touren waren wohl kaum weniger anstrengend. Dieser Lebensweise hat Wes Montgomery am Ende Tribut gezollt.

Wes-Biograf Adrian Ingram hat von Zeitzeugen erfahren, dass Wes kurz vor seinem Tod Nitroglyzerin-Tabletten nahm bzw. aufhörte sie zu nehmen, um den Nebenwirkungen wie Kopfschmerz oder Müdigkeit zu entgehen. Für Freunde, so Ingram, sei es offensichtlich gewesen, dass Wes krank war. Sein Tod kam trotzdem plötzlich, am Morgen des 15. Juni. Wes war in seinem Haus, und seine Frau erinnert sich, er sei am Tisch zusammengebrochen und sei noch vor Ort gestorben. Andere Quellen berichten, Wes sei auf der Treppe seines Hauses zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben.

Wie auch immer, mit Wes Montgomery hat der Jazz 1968 einen wegweisenden Musiker verloren. Sein Stil beeinflusst und prägt Gitarristen bis heute. Die Vitalität seiner Persönlichkeit spricht aus den Aufnahmen, die er hinterlassen hat. Am Ende seines Solos über das Coltrane-Stück Impressions, live aufgenommen 1965 im Halfnote Club in New York, hört man Wes Montgomery laut und schallend lachen. Es ist der Augenblick, in dem er weiß, dass er mit seiner Improvisation die äußerste Dynamik erreicht hat und sich nun zurück in das Thema fallen lässt, während seine Mitmusiker und Publikum loslassen und durchatmen können. Vielleicht ist man hier, am Höhepunkt von Impressions, dem Menschen Wes Montgomery am nächsten: Wes Montgomery war der Gitarrist, der lacht. Es gibt schlimmeres, was man über einen Menschen sagen kann.



Ein Video, aufgenommen in den NDR-Studios in Hamburg am 30. April 1965. West Coast Blues ist eine der erfolgreichsten und in den 1960ern die am meisten nachgespielte Wes-Komposition.

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