Nächste Ehrung für Wes

Wes Montgomery erhält eine Ehrentafel in seiner Heimatstadt. Entlang der Georgia Street in Downtown Indianapolis sollen demnächst 6 Fuß hohe Tafeln bzw. Säulen an die berühmtesten Bürger des Bundesstaates Indiana erinnern. Unter den ersten zehn, die dafür ausgesucht wurden, ist auch Wes Montgomery! Wes befindet sich in interessanter Gesellschaft. Neben bekannten Schriftstellern und Industriellen sind auch die US-Präsidenten Banjamin Harrison und Abraham Lincoln in den Top Ten zu finden.

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Sensationelle Wes-Aufnahmen aus den 1950er Jahren angekündigt

Die Ankündigung einer neuen Albumveröffentlichung im kommenden Jahr macht die Runde: „Echoes of Indiana Avenue“ soll bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Wes Montgomery aus den 1950er Jahren enthalten. Etwa anderthalb Jahre hat das Team von Resonance Records u. a. in Wes Heimatstadt Indianapolis recherchiert, um die Herkunft der Stücke und die Mitmusiker zu ermitteln. Die unbekannten Stücke wurden 1957 und 1958 in den Clubs der Indiana Avenue oder im Studio aufgenommen. Damit ist wohl recht eindeutig, dass es sich um die vor über drei Jahren bei Ebay angebotenen Lost Tapes handelt.


„Echoes of Indiana Avenue“ soll am 6. März, also an Wes‘ Geburtstag erscheinen. Die CD bzw. die LPs sollen mit unbekannten Bilddokumenten und mit zahlreichen Essays, u. a. von Pat Martino, erscheinen. Wir sind gespannt!

Resonance Records bei Facebook

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Wie Drummer Billy Hart von Wes Montgomery erzogen wurde

Billy Hart

Billy Hart

Obwohl die späten Wes-Montgomery-Alben vor allem mit Grady Tate oder Jimmy Cobb an den Drums eingespielt wurden, war Billy Hart von 1966 bis 1968 fester Bestandteil von Wes‘ Band. Bereits 1961 war Hart Schlagzeuger der Montgomery Brothers, dokumentiert auf dem Album „Live at Jorgies“. Später, als er mit seiner Musik großen kommerziellen Erfolg hatte, stellt Wes ihn dann sogar fest ein – wie Billy Hart bereits vor ein paar Jahren in einem wirklich bemerkenswerten Gespräch erzählt. Im Interview mit Ethan Iverson berichtet Hart, wie Wes ihm näherbrachte, dass er mit seinem Spiel nicht zufrieden war. Außerdem erfahren wir, dass Jimmy Cobb Wes Lieblingsschlagzeuger war und Billy Hart am Ende einer der Sargträger des Gitarristen war. Die besten Passagen aus dem Interview nach dem Break:

 

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Radio-Interview mit Wes Montgomery aus dem Jahr 1966

Jorgies and moreEs gibt Platten, die sind ein wenig wie eine Wundertüte, zugleich seltsam und überraschend. Live at Jorgies and More ist so eine Platte. Sie ist eine wilde Mischung aus Aufnahmen und Interviews, die nach seinem Tod zusammengestellt wurde. Eine Art Resterampe, aber doch voller schöner Momente. Die B-Seite der LP ist sogar von besonderer Bedeutung, denn hier finden sich die vermutlich letzten Aufnahmen, die von Wes gemacht wurden, sowie das weiter unten als Video eingebundene Interview mit Jim Rockwell (inklusive der Wiederholung des Stückes California Nights, das in den LP-Credits gar nicht erwähnt wird – eine frühe Form des hidden tracks). Das zweite Radiointerview von der LP Live at Jorgies and More (VGM 0008), die bislang nie als CD veröffentlicht worden ist – lediglich die beiden wirklichen Jorgies-Aufnahmen von 1961, Starlight und eine unvollständige Version von ‚Round Midnight, wurde auf der CD Complete Live at Jorgies wiederveröffentlicht –, stammt aus dem Jahr 1966 und wurde von Jim Bosa in Los Angeles geführt. Da ich es noch nie irgendwo gefunden habe, ebensowenig wie eine Transkription, nehme ich mir die Freiheit, das Interview an dieser Stelle einzubinden. Viel Spaß beim Hören!

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Wes Montgomery und Jim BosaRadio-Interview 1966 (Link öffnet den Miniplayer)
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Die deutlichen Nebengeräusche gehören übrigens zur Aufnahme und sind nicht durch den Plattenspieler oder meine Digitalisierung verursacht. Gleiches gilt für den abrupten Start mitten im Gespräch.

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Neu auf CD: Montgomeryland Sessions plus Horns & Strings

Wenn Künstler sterben, wollen viele noch einmal richtig Kasse machen. Das war schon in den 1960er Jahren so. Kaum war Wes Montgomery 1968 tot, holte Produzent Dick Bock einige der frühen Pacific-Aufnahmen der Montgomery Brothers aus dem Archiv, verpasste ihnen ein paar Overdubs und brachte die Sessions aus den Jahren 1958 und 1959 als neue LP heraus. Damaliger Titel: „A Portrait of Wes Montgomery“ (nicht zu verwechseln mit dem 1963er Riverside-Album „Portrait of Wes“). Genau diese überarbeiteten Stücke sind nun (erstmals?) auf CD erhältlich. Fresh Sound / Fenn Music hat das Material aus der Versenkung geholt und gemeinsam mit den Originalen unter dem Titel The Montgomeryland Sessions Plus Horns & Strings veröffentlicht.

Indem Bock die frühen Aufnahmen mit dem Tenor-Saxofonisten Harold Land und dem Alt-Saxofonisten Pony Poindexter mit Big Band und Orchester versüßt, folgt er der Entwicklung, die Wes in seinen späten Jahren genommen hatte, als er sich von Creed Taylor in einen Popjazz-Künstler verwandeln ließ. Für die Overdubs beauftragte er den renommierten Trompeter und Arrangeur Gerald Wilson mit den zusätzlichen Arrangements. Und Dank der Klasse von Wilson sind die Overdubs zumindest keine musikalischen Verbrechen – was immer man von dieser Art der nachträglichen Bearbeitung halten mag.

Insgesamt sechs Stücke sind von Wilson überarbeitet worden. Aus der Session der Montgomery Brothers mit Harold Land sind das Far Wes (+Horns), Leila (+Horns), Old Folks (+Strings) und Montgomeryland Funk (+Horns). Aus der Session mit Pony Poindexter sind es die Titel Summertime und Falling In Love With Love (beide +Strings). Die zugrundeliegenden Originalalben sind übrigens Montgomeryland (Pacific Jazz PJ 5) und Wes, Buddy And Monk Montgomery (Pacific Jazz PJ 17)

Bezugsquellen: Fenn Music, JPC, Amazon

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Alle Verve-Aufnahmen als CD-Box

Movin-BoxEine neue, interessante Wes-Kompilation von Hip-OSelect steht ins Haus: Ende September erscheint auf 5 CDs eine Zusammenstellung aller Aufnahmen, die Wes bei Verve veröffentlicht hat. Sie enthält alle Tracks von „Movin‘ Wes“, „Bumpin‘„, „Smokin‘ at the Half Note“, „Goin‘ Out of My Head“, „Tequila„, „California Dreamin'“, „Jimmy & Wes, The Dynamic Duo“ sowie „Further Adventures of Jimmy & Wes“. Auch die Bonus-Tracks, die Verve posthum auf diversen LPs gestreut hat, sind enthalten, was die Box spannend macht. Ernüchternd ist jedoch der Preis: Amazon scheint dafür 137 Euro aufzurufen, was angesichts des US-Verkaufspreis von 99 Dollar und des aktuellen Wechselkurses hoffentlich noch korrigiert wird. Für die Box hat Marc Myers neue Liner notes geschrieben, auch eine Sammlung seltener Fotos soll das Angebot abrunden.

Update: Bei JPC liegt der deutsche Verkaufspreis für die Box bei 44,99 Euro. Hier gibt es auch eine detaillierte Liste der enthaltenen Titel.

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Vor 50 Jahren: Wes & Trane

John ColtraneEine der am häufigsten kolportierten und am wenigsten belegten Episoden in der Biographie von Wes Montgomery ist das Zusammentreffen und Zusammenspiel mit John Coltrane. Angeblich wollte Trane, dass Wes Montgomery zu seinem Quintett mit Eric Dolphy, McCoy Tyner, Reggie Workman und Elvin Jones stößt. Und angeblich gibt es gemeinsame Aufnahmen vom Monterey Jazzfestival vom 22. September 1961, die aber niemand kennt. Mal sollen sie verschollen sein, mal liegen sie im Safe von Carlos Santana. Jazzdisco.org listet drei Titel aus dem Repertoire des Saxophonisten: My Favorite Things, Naima und So What/Impressions. Aber aus irgendeinem mysteriösen Grund, so die Legende weiter, hat es dann doch nicht geklappt mit dem Sextett. So stehen wir dann da und ärgern uns, warum wir keine Zeugnisse der Begegnung dieser beiden haben. Meine bisherigen Bemühungen, mehr über diese Episode zu erfahren, sind immer im Sand verlaufen. Ich kenne keine Quelle, die man als halbwegs „primär“ oder verlässlich bezeichnen könnte. Ich wäre aber natürlich dankbar dafür, keine Frage. Meine persönlichen 2 Cent dazu: Wes und Trane, dass hätte von der Biographie und Parallelität der Karrieren natürlich gut gepasst, aber ich glaube, Wes hätte nicht wirklich in das musikalische Konzept Coltranes gepasst, das just um diese Zeit ganz neue Dimensionen erreichte. Vergleicht man die Aufnahmen, die Wes Montgomery 1961 gemacht hat („The Montgomery Brothers in Canada“ etwa) mit beispielsweise den 1961er Village-Vanguard-Aufnahmen von Trane, dann ist das doch deutlich harmloser, konventioneller, langweiliger, was Wes macht. Bei aller Virtuosität, das musikalische Genie eines John Coltrane hatte Wes nicht. Insofern hätten die beiden meiner Meinung nach nicht zusammengepasst. Aber ich kann mich auch täuschen.

Update: Dank eines langen Kommentars drüben auf Facebook bin ich nun ein wenig klüger, was die Coltrane-Wes-Episode angeht. Wer mag, kann Oliver Dunskus‘ Kommentar dort gerne in Gänze lesen. Hier nur Olivers Übersetzung eines Downbeat-Artikels vom November 1961, in dem das Konzert vom 22. September rezensiert wird: „Neben seiner festen Rhythmusgruppe hatte Coltrane Wes Montgomery und den Bläser Eric Dolphy dabei. Obwohl die Gruppe eine Stunde auf der Bühne blieb, wurden nur drei Stücke gespielt. Montgomery war der herausragende Solist, seine Soli waren von einem wunderbaren Rhythmusgefühl gezeichnet. In My Favorite Things verwendete er Call-and-response Effekte, bei denen er teilweise zur Melodie zurückkehrte ein, und lineare Improvisationspassagen als Gegenpol. In Naima, einer Ballade, spielte er Oktaven als Erweiterung der Melodie. Aber richtig aufregend wurde sein Spiel erst im dritten Stück, So What?. Coltrane und Dolphy hatten die meiste Zeit über Intonationsprobleme, aber beide schafften es, damit halbwegs fertig zu werden und einige spannende Soli zu spielen, obwohl keiner von beiden so bewegend und beständig spielte wie Wes. Wenn Coltrane es schafft, diese Gruppe zusammen zu halten, könnte sie sich zu einem der interessantesten Ensembles im Jazz entwickeln.“

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Creed Taylor über die Arbeit mit Wes

In der Süddeutschen Zeitung muss heute ein Interview mit Produzent Creed Taylor (Impulse, Verve, A&M, CTI) sein – mal wieder nicht online. Dafür hat Autor Jonathan Fischer den Text dankbarerweise in seinem Blog publiziert. In einem Absatz beschreibt Taylor die Zusammenarbeit mit Wes Montgomery:

Taylor: Ich hatte einmal den Jazz-Gitarristen Wes Montgomery zusammen mit Arrangeur Don Sebesky und den Streichern des New York Philharmonic Orchestra im Studio. Wir wollten alles on the spot aufnehmen. Und Wes saß mit diesem fragenden Blick im Gesicht vor seinem Notenblatt. Schließlich sagte er: „Ich habe keine Ahnung, was ihr da veranstaltet.“ Er konnte keine Noten lesen. Also nahm ich alle Stimmen mit Klavier auf, und er konnte sich die Kassette, während er auf Tour war, anhören. Die nächste Session lief dann wie am Schnürchen.

Das ist eine Variante der Geschichte, die ich noch nicht kannte. Bislang hatte ich nur gelesen, dass zunächst die Kern-Combo die Stücke aufgenommen hat und dann später die Orchester-Arrangements darauf zugeschnitten wurden. Nun ja, das eine schließt das andere nicht aus.

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Indianapolis ehrt Wes mit Wasserspiel-Park

Eine etwas obskure Meldung, ich gebe es zu, aber warum soll ich sie hier nicht weitergeben: Im seit 1970 existierenden Wes-Montgomery-Park in Indianapolis gibt es eine neue Attraktion, eine Art Wasserspielpark („Spray Park“). Das Objekt ist in Form einer Gitarre gestaltet und soll so an den Gitarristen erinnern. Zu den Wasserspielen soll Musik von Wes gespielt werden. Zur Eröffnung mit dem Bürgermeister wird auch Wes‘ jüngster Sohn Robert erwartet.

Spray Pool im Wes Montgomery Park

Spray Pool im Wes Montgomery Park

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Mark Whitfield über den Wes-Stil

Weil es derzeit etwas ruhiger ist, was News zu Wes Montgomery angeht, hier ein weiteres Video. Mark Whitfield, zu Gast beim kürzlich verstorbenen Billy Taylor, erzählt über seine Einflüsse und präsentiert live, was Wes von seinen Vorgängern unterschied. Sehr unterhaltend auch das anschließende „Freddy Freeloader“, von Whitfield im Wes-Stil gespielt.

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