Wes und seine Gitarren

Gibson-Spezialanfertigung für Wes Montgomery

Gibson-Spezialanfertigung für Wes Montgomery

Das Genie des Gitarristen Wes Montgomery lag in seinen Händen und seinen musikalischen Ideen. Doch natürlich spielte auch die „Hardware“, die er benutzte, eine wichtige Rolle beim Entstehen des typischen Wes-Montgomery-Sounds. Bekannt ist, dass Wes meistens eine Gibson L5 spielte, eine der bis heute besten und hochwertigsten Jazzgitarren überhaupt. Doch damit hört das Wissen über Wes Equipment bei mir auch schon beinahe auf. Wie gut, dass ich den (bereits im vorherigen Post erwähnten) Wes-Experten Oliver Dunskus dazu überreden konnte, für mich und natürlich alle Leser dieses Blogs ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Oliver hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, sein Wissen in einen ausführlichen Text zu gießen: Wes Montgomerys Gitarren. Ich habe eine Menge Neues gelernt und freue mich gleichzeitig über den ersten Gastbeitrag auf dieser Seite!

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Zum Gastbeitrag „Wes Montgomerys Gitarren“

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Linktipp: The Genius of Wes Montgomery

Hin und wieder (bzw. eigentlich nur super selten) lässt Gitarren-Kritikerpapst Alexander Schmitz jemand Drittes auf seiner Webseite einen Beitrag schreiben. Diesmal durfte Oliver Dunskus ran, ein ausgewiesener Experte für Jazzgitarre im Allgemeinen und Wes Montgomery im Besonderen. Sein Thema: natürlich Wes! Es geht um die legendäre, posthum erschienene Dreier-LP-Box „The Genius of Wes Montgomery“, die drei komplette Wes-Alben erhält, nämlich „The Incredible Jazz Guitar“, „Full House“ sowie „Groove Yard“ von den Montgomery Brothers. Was Oliver über diese Box alles zu erzählen weiß, ist schon erstaunlich. Ein Muss für Wes-Heads!

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Vor 50 Jahren: The Incredible Jazz Guitar

Vor einem halben Jahrhundert war Wes Montgomery in New York, um sein zweites Album für das Plattenlabel Riverside aufzunehmen. Am 26. und 28. Januar 1960 nahm er mit Tommy Flanagan (p), Percy Heath (b) und Al Heath (dr) das wegweisende Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ auf. Parallel arbeite er mit Nat Adderley an dessen Album „Work Song“. Mit „Incredible Jazz Guitar“ gelang Wes Wontgomery der Durchbruch zum US-weit anerkannten Gitarristen. Mehr über das Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ hier.

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Neue Transkriptionen erschienen

Der amerikanische Gitarrist Tim Fitzgerald hat ein neues Buch mit Wes-Montgomery-Transkriptionen erarbeitet und vor einigen Monaten veröffentlicht. Das Besondere: Es handelt sich um Transkriptionen eines TV-Auftritts. Die Exaktheit der Noten und Voicings lässt sich somit direkt mit dem Video vergleichen.

Das Buch behandelt das Jazz 625 BBC-Konzert, aufgenommen am 25. März 1965 in England. Es enthält alle Stücke, die auf Video erhältlich sind: Yesterdays, Jingles, ‘Round Midnight (Nur Solo und Kadenz), Twisted Blues, Full House und West Coast Blues (letzteres derzeit nicht auf DVD, s. u.). Im Gegensatz zu der von Ronnie Scott moderierten Show, die auf der Jazz-Icons-DVD zu finden ist, spielt Wes hier mit seinem eigenen Tour-Quartett mit Harold Mabern (p), Arthur Harper (b) und Jimmy Lovelace (dr).

Tim Fitzgerald hat nicht nur sämtliche Soli sowohl als Noten als auch als Tabulatur festgehalten, er hat auch für jedes Solo eine kurze Analyse geschrieben, die interessante Einblicke in die harmonische Welt des Gitarristen gibt (Beispiel hier). Zusätzlich enthält das Buch ein Interview mit Harold Mabern sowie Bilder des Fotografen Lee Tanner. Für mich hört sich das nach einem runden Paket an. Das 80-Seiten-Buch kostet faire 19,95 Dollar, der Versand nach Europa beträgt 13,45 Dollar, wie Tim Fitzgerald mir auf Anfrage mitgeteilt hat. Bezahlt wird einfach per PayPal.

Nun zum weniger schönen Teil der News: Das BBC-Konzert ist derzeit nicht als einzelne, komplette DVD erhältlich, sondern nur verteilt auf zwei DVDs einer „Legends of Jazz“-Reihe. Vol. 1 enthält die Stücke Twisted Blues, Jingles und Yesterdays, Vol. 2 Full House und Round Midnight. Anders als auf der Homepage von Tim Fitzgerald verlinkt, muss/kann man als Europäer wegen des PAL-Formats von der britischen Webseite bestellen. Die DVDs kosten dann je £ 19,95 plus £ 5 für den Versand von zwei DVDs. (Einige Titel sind allerdings auch auf Youtube zu finden). Die reine Audio-Version von Jazz 625 ist übrigens auf der CD Live in Belgium 1965 zu finden.

Eine Transkription der Jazz-Icons-DVD ist laut Tim Fitzgerald übrigens in Planung und wäre sicher eine ebensolche Bereicherung wie das vorliegende Buch!

Update: Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, sind die BBC-625-Aufnahmen doch auf einer einzigen DVD erhältlich. Sie heißt „Wes Montgomery in Europe 1965“ (Impro-Jazz IJ 504) und ist bei Amazon lieferbar oder über Ebay neu und oft auch gebraucht zu bekommen.

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Unbekannte Liveaufnahmen von Wes Montgomery

Es gibt noch kleine Überraschungen in der Diskografie von Wes Montgomery: Zum Beispiel die Liveaufnahme aus einer TV-Show im Jahre 1965. Wes spielt mit dem Haus-Trio der Show die zwei Standards „Autumn Leaves“ und „Misty“. Das Trio besteht aus Matt Michaels (p), Danny Pliskow (b) und Art Mardigan (dr). Anhören kann man sich die beiden Stücke auf der Homepage von Dan Pliskow. (Die Seite verhält sich seltsam: Auf dem Mac ist es mir nur unter Safari gelungen, den Player anzusteuern, und zwar mit gedrückter ctrl-Taste.) Wes zeigt eine relaxte Performance und setzt bei „Misty“ den Tremolo-Effekt gekonnt ein. Ein Datum für diese Session ist nicht angegeben.

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Stunning images of Wes Montgomery

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür, und als kleines Dankeschön für diejenigen, die regelmäßig auf dieser kleinen Seite vorbeischauen, veröffentliche ich heute hier ein paar Fotos von Wes Montgomery, die die wenigsten bisher gesehen haben dürften.

Wes Montgomery, San Remo 1965 © Roberto Polillo

Wes Montgomery, San Remo 1965 © Roberto Polillo

Obwohl Wes Montgomery in den 1960er Jahren zu den populärsten Jazzmusikern gehörte, gibt es überraschend wenig Fotos von ihm. Es gibt rund zwei Dutzend Motive, die meist benutzt werden, und dann noch ein Reihe von Bildern im Archiv von Corbis – das war’s. Und im Vergleich mit der hohen Kunst der Jazz-Fotografie besitzen die bekannten Bilder von Wes einen, nun ja, eher dokumentarischen Charakter.

Die Fotos von Wes Montgomery, über die ich jetzt bei Flickr gestolpert sind, spielen da qualitativ in einer anderen Liga. Continue Reading →

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Wes Montgomery – Impressions (Video 1965)

Weil morgen Nikolaus ist, hier ein Video aus dem Jahr 1965, aufgenommen für das belgische Fernsehen auf der einzigen Wes-Tour außerhalb Nordamerikas. John Coltranes Impressions ist eines der Vorzeigestücke im Repertoire des Gitarristen und zeigt, dass Wes musikalisch auf der Höhe der Zeit war. Erst ab 1959/60 haben Miles und Coltrane (Impressions beruht auf den Changes von Miles‘ So What) die modale Improvisation in den Jazz eingeführt. Hier liegt das Stück in einer TV-kompatiben Kurzform vor:
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Trotz der zeitlichen Beschränkung im Rahmen des TV-Auftritts lässt Wes Montgomery an mehreren Stellen sein Können kurz aufblitzen. Begleitet wird Wes von seinem Tour-Quartett, bestehend aus Harold Mabern (p), Arthur Harper (b) und Jimmy Lovelace (dr). Außerdem kann ich nicht oft genug betonen, wie lohnenswert die Jazz-Icons-DVD Live in ’65 ist.

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Pat Metheny über Wes Montgomery

The Pat Metheny Interviews“ ist ein neues Buch von Richard Niles. Es handelt sich um die Abschrift eines TV-Features, das Niles 2007 für die BBC produziert hat (Pat Metheny – Bright Size Life). Dabei hat er Metheny, den er aus einer gemeinsame Zeit am Berklee College kennt, mehrmals interviewt. In dem Buch gibt es zwei längere Passagen, in denen Pat über den Einfluss spricht, den Wes Montgomery auf sein Spiel hatte. Ich habe die Passagen auszugsweise übersetzt. Da dies nicht mein Beruf ist, bitte ich einige holprige Formulierungen zu entschuldigen:
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Vor 50 Jahren: Wes geht nach New York

Wes Montgomery Trio

Wes Montgomery Trio

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Wes Montgomery den vielleicht wichtigsten Schritt seiner Karriere gegangen ist. Wenige Wochen, nachdem der Produzent Orrin Keepnews nach Indianapolis gereist war, um sich auf Empfehlung von Cannonball Adderley diesen bislang noch unbekannten Gitarristen anzuhören, reist Wes Montgomery nach New York – ausgerüstet mit einem frisch unterzeichneten Plattenvertrag. Am 5. und 6. Oktober steht er erstmals für das Label Riverside im Studio. Gemeinsam mit Organist Melvin Rhyne und Drummer Paul Parker – beide sind Musiker aus Indianapolis – nimmt Wes das Album „The Wes Montgomery Trio“ auf. Es legt die Grundlage für seinen musikalischen Erfolg in den kommenden Jahren, auch wenn er erst mit dem nachfolgenden Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ seinen eigentlichen Durchbruch erzielt.

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Mehr zu dem Album „The Wes Montgomery Trio“ habe ich an dieser Stelle geschrieben.

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Vor 40 Jahren: Attila Zollers Tributesong Wild Wild Wes

Dass die Musik Wes Montgomerys kaum einen Gitarristen unberührt lässt, muss vielleicht nicht extra erwähnt werden. Und so gibt es mittlerweile zahlreiche große oder kleine musikalische Verbeugungen vor dem Meister. Diese hier finde ich persönlich besonders gelungen, und weil sie vor genau 40 Jahren – im Spätsommer 1969 – aufgenommen wurde, ist sie eine Referenz wert! Das Stück „Wild Wild Wes“ eröffnet Attila Zollers Album „Gypsy Cry“, ein Kleinod der Jazzgitarre, das in seiner stilistischen Vielsprachigkeit die Übergangsphase seiner Zeit ganz hervorragend repräsentiert. Es handelt sich um Aufnahmen zwischen Tradition und Aufbruch. Zusammengehalten wird das Album dabei vor allem von den Fähigkeiten des Leaders. Am Piano hört man übrigens keinen Geringeren als Herbie Hancock.

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Gypsy Cry

Gypsy Cry

Das Sück anhören:

Attila Zoller – Wild Wild Wes

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Den ganzen Spaß gibt es auch auf CD oder als kostengünsten MP3-Download. Zum Album gehört übrigens auch der Ohrwurm „The Birds And The Bees“, der vor einigen Jahren durch die Duo-Interpretation von Pat Metheny & Jim Hall wieder aus der Versenkung geholt wurde.

Noch ein Hinweis für Fans von Attila Zoller: Über das Birdland Neuburg kann man eine von Heinz Protzer geschriebene neue Biografie/Diskografie von Zoller bestellen.

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Adrian Ingram legt Wes-Biografie neu auf

Wer etwas mehr über das Leben und Wirken von Wes Montgomery erfahren möchte, als es die üblichen Online-Biografien (vor allem die bewusst armselig gehaltene bei der deutschen Wikipedia) zu bieten haben, muss zu Adrian Ingrams englischsprachiger Biografie greifen. Sie stammt aus dem Jahr 1984 und versammelt die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen. Da Adrian Ingram selbst ein bekannter, hochklassiger Gitarrist ist, enthält seine damalige Arbeit nicht nur eine Diskografie, sondern auch viele Erläuterungen zur Spielweise von Wes Montgomery. Nun, ein Vierteljahrhundert später, hat Adrian Ingram zum ersten Mal sein Wes-Buch überarbeitet und in einer neuen Auflage vorgelegt. Doch welche Enttäuschung!
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Wes Montgomery Biografie

Wes Montgomery Biografie

Anders als Alexander Schmitz, der die überarbeitete „Wes-Bibel“ schon vor ein paar Monaten sehr wohlwollend rezensiert hat, finde ich diese zweite Auflage nicht nur enttäuschend, sondern zutiefst ärgerlich. Und das aus zwei Gründen:
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1. Die Form
Als Ingrams Buch zum ersten Mal erschien, mussten Bücher noch auf Schreibmaschinen getippt werden, die Zettel wurden dann von mehr oder weniger talentierten Menschen auf eine Druckmaschine übertragen und zu einem Buch gemacht. Schon für das Jahr 1984 war die Wes-Biografie ein dilettantisch gesetztes, schlecht lesbares und schlecht gedrucktes Werk in einem unmöglichen Format. Heute leben wir in einer Zeit, in dem wir den Begriff Desktop Publishing schon fast wieder vergessen haben, weil der Prozess vom Schreiben zum Druck quasi auf Knopfdruck funktioniert. Wir haben selbst bei kostenlosen Open-Source-Programmen die Möglichkeit, mit ein paar Mausklicks moderne und lesbare Layouts zu erstellen. Vor diesem Hintergrund hinzugehen und das 25 Jahre alte Layout des Buches noch einmal zu verwenden, ist für mich absolut unverständlich und nicht akzeptabel. Alexander Schmitz schreibt dazu, bei Büchern des Verlags Ashley Mark handele es sich um „solide Arbeiten eher konservativer Mach- und Gestaltungsart“. Nein, das sehe ich ganz anders. Wäre es den Machern wirklich mehr auf die Inhalte denn auf die Form angekommen, wie Schmitz mutmaßt, dann hätten sie sich zumindest für eine Minute Gedanken über den Zusammenhang dieser beiden Dinge machen können. Doch selbst dies war offensichtlich zu viel verlangt. Und so ist das Buch erst recht in seiner Neuauflage ein altbacken und dilettantisch gesetztes Buch, das schlecht lesbar ist.
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2. Der Inhalt
Es gibt Dinge, die muss man nicht neu erfinden. Die sind gut, die stehen gerade und erfüllen ihren Zweck. So ungefähr muss es sich Adrian Ingram gedacht haben, denn an seinem Text über das Leben Wes Montgomerys, also an den rund 50 Kernseiten des Buches, hat er nicht ein Komma geändert. Das kann man so akzeptieren, aber man kann auch fragen: Lieber Adrian, ist in den vergangenen 25 Jahren nicht eine einzige neue Information über Wes Montgomery ans Licht gekommen, die es Wert gewesen wäre, dass man sie weitererzählt? Hätte es nicht den einen oder anderen Aspekt gegeben, bei dem man als Autor noch einmal hätte recherchieren können, müssen, sollen? Hat man als Autor nicht das Bedürfnis, einen 25 Jahre alten Text noch einmal zu verbessern oder stilistisch seinem gegenwärtigen Können anzupassen? Als Journalist kann ich eine solche Scheiß-egal-Haltung beim besten Willen nicht akzeptieren. Und da versöhnt es mich auch nicht, dass er sich bei der Diskografie diesmal wirklich Mühe gegeben hat. Dadurch ist sie zwar nicht lesbarer und übersichtlicher geworden, aber wesentlich vollständiger. Aber herrje, die gleichen Infos finde ich auch (besser organisiert) bei Jazzdisco.org.
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Mein Fazit: Wer etwas tiefer in die Biografie von Wes Montgomery einsteigen möchte, benötigt dieses Buch nach wie vor, denn es gibt keine Alternative. Aber wer die alte Ausgabe bereits besitzt, kann sich das Update sparen!

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Adrian Ingram: Wes Montgomery, Ashley Mark Publishing, $36,99/£18,50

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Carlos Santana über Wes

Unter den vielen Weltklasse-Gitarristen, die Wes zu ihren Vorbildern zählen, gehört auch Carlos Santana, selbst einer der einflussreichsten Saitenquäler. Jetzt hat er sich mal wieder in einem Interview kurz dazu geäußert:

“In my opinion, good guitarists are those who play from their heart. My favorites are always changing, but I can say that for me the best guitarists ever are Hendrix, Segovia, Wes Montgomery, Buddy Guy…”

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