„Buddy“ Montgomery gestorben

Buddy Montgomery

Buddy Montgomery

Wes Montgomerys jüngerer Bruder Charles „Buddy“ Montgomery ist in der vergangenen Woche im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Vibraphonist und Pianist bildete gemeinsam mit Wes und Monk die Montgomery Brothers, die Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre diverse Aufnahmen machten und bis zu Wes Tod 1968 immer wieder auftraten. Gemeinsam mit Bruder Monk bildete er außerdem den Kern der Mastersounds, die (zum Teil auch mit Wes) Ende der 1950er Jahre an der amerikanischen Westküste populär waren. 1960 spielte Buddy kurz in der Band von Miles Davis, später formte er ein eigenes Trio und arbeitete als Musiklehrer. Charles Montgomery (30. Januar 1930 – 14. Mai 2009) starb in seinem Haus im kalifornischen Palmdale an Herzversagen.

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Creed Taylor: Die Beatles flippten aus

Creed Taylor, Produzent der späten Alben Wes Montgomerys, auf die Frage, warum Hubert Laws den Song „Let It Be“ ein halbes Jahr vor den Beatles veröffentlichen konnte:

JW: But while the song Let It Be was recorded in January 1969, it wasn’t released as a single until March 1970, followed by the album in May. How did you get a hold of the song in mid-1969?
CT: CTI and George Martin shared the same U.S. attorney at the time. I had given the attorney a copy of Wes Montgomery’s A Day in the Life in 1967 and he took it back to Paul McCartney. The Beatles flipped out about it. They liked it so much that Paul in 1969 sent me a run through tape of what he had done on Let It Be.

Die Beatles also „flippten aus“, als sie Wes‘ Version von A Day In The Life hörten! (Und schickten Taylor ein Demotape mit dem Hinweis, er könne das Stück benutzen.) Das ist interessant und wird von Creed Taylor sicher gerne erzählt, denn bis heute muss er reichlich Prügel für seine kommerziellen Wes-Alben einstecken. Das Zitat stammt aus einem sehr ausführlichen Interview bei All About Jazz.

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Wes Spieltechnik – Der Mann mit dem Daumen

„The Thumb“ heißt eine der Kompositionen von Wes Montgomery, zu finden ist sie auf dem Album Tequila. „Der Daumen“, das bezieht sich auf die Art und Weise, wie Wes sein Instrument spielt. Denn anders als die allermeisten Jazzgitarristen benutzte er keinen Pick, sondern den Daumen, um die Saiten anzuschlagen. Diese Technik ist ebenso ungewöhnlich wie typisch für den Autodidakten Montgomery. Was den Sound des Gitarristen so sonst noch so faszinierend macht? Ich habe an dieser Stelle ein paar Sätze dazu geschrieben.

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Gitarrist Terrence Brewer huldigt Wes

Terrence Brewer -- Groovin' Wes (2008)

Terrence Brewer -- Groovin' Wes (2008)

Gitarrist Terrence Brewer hat sich in der Jazzszene der Bay Area in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Seit seinen beiden Alben „The Calling Vol. 1“ und „Vol. 2“ ist er samt Trio oder Quartett nicht nur in den Clubs von San Francisco gerne gesehen, sondern auch schon mal bei Google. Ende 2008 ist sein neuestes Album erschienen: Groovin‘ Wes. Der Untertitel macht eigentlich alles klar: „A Musical Expression of Admiration for Wes Montgomery„.

Brewer rührt auf diesem Album eine Melange zusammen aus einigen Wes-Kompositionen (Bumpin‘, Road Song, Bumpin‘ on Sunset) sowie Standards, die auch aus dem Wes-Repertoire bekannt sind, etwa Here’s That Rainy Day oder Yesterdays. Für die Interpretation der Stücke hat sich der Gitarrist ein gut harmonierendes Trio zusammengestellt, bestehend aus Wil Blades (Hammond B3) und Micah McClain (Drums). Diese Besetzung erinnert natürlich an die berühmten Aufnahmen, die Wes Montgomery im Hammond-Trio hinterlassen hat.

Gitarristisch gesehen ist Terrence Brewer ein klassischer Jazz-Player mit einem warmen, leicht dumpfen Sound, der eher an Pat Martino als an Wes Montgomery erinnert. Als sehr positiv empfinde ich, dass es Brewer bei einigen Wes-Zitaten belässt und ansonsten souverän seinen Stil spielt, ohne eng an den Lines oder den Techniken Wes Montgomerys zu kleben. Einen recht guten Eindruck vermitteln die Samples des Albums, die man sich auf der schön designten (aber sehr Flash-lastigen) Homepage anhören kann. Bei Gefallen kann man das Album zum Beispiel über iTunes (7,92 Euro) downloaden.

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CD-Tipp: The Montgomeryland Sessions

The Montgomeryland Sessions

The Montgomeryland Sessions

Eine neue 2-CD-Compilation fasst Aufnahmen der Montgomery Brothers aus den späten 1950er Jahren zusammen: „The Montgomeryland Sessions“ (Gambit Records) enthält die kompletten Alben “The Montgomery Brothers & Five Others” (1957), “Montgomeryland” (1958/59) und “The Montgomery Brothers Wes, Buddy & Monk” (1958). Ebenfalls enthalten sind jene Stücke der Mastersounds-LP „Kismet“ und des Jon-Hendricks-Albums „A Good Git Together“ (1959), auf denen Wes als Solist zu hören ist. Ein interessanter Bonus ist das Stück „Love For Sale“, das die Montgomery Brothers 1955 aufnahmen. Bislang gab es dieses Stück nicht auf CD, sondern nur auf einer längst vergriffenen Vinyl-Compilation mit dem Titel “Almost Forgotten”. Insgesamt erscheinen mir die „Montgomeryland Sessions“ zwar ein etwas irreführender Titel zu sein, aber eine gelungene Auswahl, denn die Doppel-CD enthält die wichtigsten Aufnahmen, die Wes Montgomery vor seinen Riverside-Recordings gemacht hat.

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Die Europatournee 1965

Eines der am besten dokumentierten Kapitel im Leben von Wes Montgomery ist sein einziger Aufenthalt in Europa im Frühjahr 1965. Auf dieser kurzen Tour sind zahlreiche Audio- und TV-Aufnahmen erhalten, deren Datierung jedoch teilweise Schwierigkeiten bereitet. Ich habe versucht, die vorhandenen Informationen zu sortieren. Hier entlang …

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Freddie Hubbard gestorben

Freddie Hubbard

Freddie Hubbard

Am 29. Dezember 2008 ist ein weiterer wichtiger Jazz-Musiker gestorben: Freddie Hubbard. Der Trompeter kam, ebenso wie Wes Montgomery, aus Indianapolis. Bereits als 19-Jähriger stand Hubbard erstmals im Studio — gemeinsam mit den Montgomery Brothers. Auf „The Montgomery Brothers And Five Others“ sind der Nachwelt die ersten, noch etwas unsicheren Schritte des Musikers überliefert. Auch für Wes Montgomery war die Schallplatte die erste veröffentlichte Aufnahme seit seiner Zeit im Lionel Hampton Orchestra.

Kurz nach den Aufnahmen mit den Montgomery Brothers ging Freddie Hubbard nach New York, um sich dort innerhalb weniger Jahre in die Jazz-Elite zu spielen. Mit Alben wie „Ready for Freddie“ oder „Red Clay“ hat sich Hubbard fest in die Geschichte des Jazz eingeschrieben. Der 1938 geborene Hubbard starb in Los Angeles an den Folgen eines im November erlittenen Herzinfarkts.

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Wes im Kino

Tony MacAlpine als Wes

Tony MacAlpine als Wes

Es gibt eine Reihe guter und bekannter Jazz-Kinofilme, aber taucht eigentlich in einem dieser Filme Wes Montgomery auf? Ich wüsste es nicht. Dafür gibt es jetzt eine Wes-Montgomery-Nebenrolle in der verfilmten Biographie des Country-Gitarristen Hank Garland, die gerade in den US-Kinos anläuft und bereits auf diversen Kinofestivals Preise u. a. für den Soundtrack abgeräumt hat. Auf der Website von Crazy kann man sich einen kurzen – und für Liebhaber von Archtop-Gitarren sehr vielversprechenden – Trailer ansehen, in dem auch „Wes Montgomery“ für wenige Augenblicke eines Clubauftritts auftaucht. Gespielt wird Wes vom Flitzefinger-Gitarristen Tony MacAlpine. Co-Produzent von Crazy war Steve Vai.

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CD-Tipp: Groove Brothers

Zwei Aufnahmen, die lange Zeit in meiner Wes-Montgomery-Sammlung fehlten, waren die Alben The Montgomery Brothers von 1960 und The Montgomery Brothers in Canada von 1961. Sie entstanden, als Wes bereits bei Riverside unter Vertrag war, und wurden beim in San Francisco ansässigen Label Fantasy Records veröffentlicht. Jetzt habe ich endlich verstanden, dass es beide Alben für kleines Geld auf einer CD gibt. Die CD heißt Groove Brothers, ist bereits 1998 erschienen und immer noch bei den einschlägigen Onlinehändlern zu bekommen, wenngleich teilweise mit etwas längerer Lieferzeit. Aber was erhält man nun?

Wes Montgomery -- Groovebrothers

Groove Brothers

In den Jahren 1960 und 1961, nach dem Erfolg der ersten Riverside-Aufnahmen Wes Montgomerys, revitalisiert Wes die Montgomery Brothers, mit denen er zunächst in Indianapolis, später in Kalifornien immer wieder gespielt hat. Aus dieser Periode resultieren insgesamt fünf Alben. Neben den beiden oben genannten Fantasy-Alben gehören dazu noch Groove Yard (Riverside, 1961), Live At Jorgies Jazz Club (VGM 1961) und George Shearing and the Montgomery Brothers (Jazzland/Fantasy 1961).

Die genauen Daten von The Montgomery Brothers sind verloren gegangen. Die Studio-Aufnahmen fanden im Herbst 1960 in San Francisco statt. Nach Auftritten in New York, wo Groove Yard entsteht, gehen die Brüder auf Kanada-Tournee. Im Frühjahr 1961 (auch hier ist das genaue Datum unbekannt) wird im Jazzclub The Cellar in Vancouver The Montgomery Brothers in Canada eingespielt. Es handelt sich um Liveaufnahmen im Club, allerdings wohl nur vor kleinem Publikum. Auf dem ursprünglichen Album wurde am Ende der Stücke tosender Applaus eingeblendet. Dieser stammt jedoch vom Cal-Tjader-Album Concert By The Sea, das ebenfalls bei Fantasy erschienen ist. Bei der Wiederveröffentlichung auf Groove Brothers wurde dieser Applaus wieder entfernt.

Das Repertoire der beiden Alben besteht zum überwiegenden Teil aus Standards wie Lover Man oder On Green Dolphin Street. Zum Studioalbum steuert Wes zwei Kompositionen bei, die bereits kurz zuvor auf seinen beiden ersten Riverside-Alben zu hören waren: D-Natural Blues (Monterey Blues) und Jingles. Bruder Buddy liefert mit Buddy’s Tune ebenfalls etwas Eigenes ab. Aus seiner Feder stammt auch das Stück Beaux Arts auf in Canada. Letzteres ist ohne Zweifel der musikalische Höhepunkt beider Alben und so etwas wie ein ungehobener Schatz. In den Linernotes zu Groove Brothers hebt Steve Kahn hervor, wie Wes hier sein improvisatorisches Können mit fließenden Singlenote-Linien und Akkorden zeigt.

Fazit: Groove Brothers vereinigt zwei seltene Aufnahmen von Wes Montgomery und ist alleine schon deshalb interessant. Musikalisch geht es hier etwas braver zur Sache als auf seinen zuvor eingespielten Riverside-Alben. Mit Beaux Arts enthält die CD jedoch ein Highlight, das man als Wes-Fan kennen sollte.

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Johnny Griffin gestorben

Johnny GriffinWährend seiner Karriere bevorzugte Wes Montgomery das Hammond-Trio oder das Quartett mit Piano. Es gibt nur wenige Aufnahmen, bei denen ein Blasinstrument als weiteres Leadinstrument zu hören ist. Zwei dieser seltenen Beispiele sind Full House und Live in Paris. Beide Male ist es der Saxophonist Johnny Griffin, der sich hervorragend in die jeweiligen Bands eingliedert und dem Konzert zusätzliches Feuer verleiht. Auch bei den Oktett-Aufnahmen des NDR am 30. April 1965 gehört Griffin zu dem vierstimmigen Sax-Satz. Ebenso wie Wes Montgomery startete Griffin — Spitzname Little Giant — seine professionelle Karriere im Orchester von Lionel Hampton, allerdings einige Jahre vor Wes. Griffin spielte mit so gut wie allen Größen seiner Zeit. Immer wieder arbeitete er in den 1950er Jahren mit dem Pianisten Wynton Kelly und dem Bassisten Paul Chambers, die durch Miles Davis (Kind Of Blue) und John Coltrane (Giant Steps) legendär wurden und in den 1960er Jahren regelmäßig mit Wes Montgomery spielten und aufnahmen. Mit Johnny Griffin, der im Alter von 80 Jahren in seiner Wahlheimat Frankreich gestorben ist, geht einer der letzten Musiker, der mit Wes Montgomery auf der Bühne stand.

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Wes auf Vinyl

Ich besitze zwar schon seit ewigen Zeiten keinen Plattenspieler mehr, aber es soll ja noch genügend Menschen geben, die auf Vinyl schwören. Okay, für alle analogen Wes-Fans mag es interessant sein, dass Sundazed wieder zwei Alben von Wes Montgomery in Form einer schwarzen Scheibe im Programm hat: Smokin‘ At The Half Note und Movin‘ Wes. Ansonsten loht sich ein Blick auf das digitale Programm von Sundazed, da sind viele tolle Jazzgitarristen wie Howard Roberts oder George van Eps mit Aufnahmen vertreten, die ansonsten kaum zu bekommen sind.

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40. Todestag von Wes Montgomery

Vor 40 Jahren, am 15. Juni 1968, starb Wes Montgomery an einem Herzinfarkt. Er war gerade 45 Jahre alt und stand musikalisch im Zenit seines Erfolges. Wie viele Jazz-Musiker starb Wes Montgomery vor seiner Zeit. Während die meisten aufgrund exzessiven Drogenkonsums den Tod fanden, war es bei Wes eine Mischung aus Jahrzehnten harter Arbeit, ungesunder Lebensweise und vermutlich einer Herzkrankheit, die nicht früh genug oder nicht ausreichend behandelt wurde.

Wes war Kettenraucher, es gibt kaum ein Foto, das ihn ohne Zigarette zeigt. Er war aber auch ein Schlafloser, der neben einem Daytime-Job noch zwei Club-Gigs in der Nacht machte, um seine schnell größer werdende Familie zu ernähren. Er hat diese Ochsentour viele Jahre in Indianopolis durchgezogen, das ist durch zahlreiche Zeitzeugen verbürgt. Und auch spätere Touren waren wohl kaum weniger anstrengend. Dieser Lebensweise hat Wes Montgomery am Ende Tribut gezollt.

Wes-Biograf Adrian Ingram hat von Zeitzeugen erfahren, dass Wes kurz vor seinem Tod Nitroglyzerin-Tabletten nahm bzw. aufhörte sie zu nehmen, um den Nebenwirkungen wie Kopfschmerz oder Müdigkeit zu entgehen. Für Freunde, so Ingram, sei es offensichtlich gewesen, dass Wes krank war. Sein Tod kam trotzdem plötzlich, am Morgen des 15. Juni. Wes war in seinem Haus, und seine Frau erinnert sich, er sei am Tisch zusammengebrochen und sei noch vor Ort gestorben. Andere Quellen berichten, Wes sei auf der Treppe seines Hauses zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben.

Wie auch immer, mit Wes Montgomery hat der Jazz 1968 einen wegweisenden Musiker verloren. Sein Stil beeinflusst und prägt Gitarristen bis heute. Die Vitalität seiner Persönlichkeit spricht aus den Aufnahmen, die er hinterlassen hat. Am Ende seines Solos über das Coltrane-Stück Impressions, live aufgenommen 1965 im Halfnote Club in New York, hört man Wes Montgomery laut und schallend lachen. Es ist der Augenblick, in dem er weiß, dass er mit seiner Improvisation die äußerste Dynamik erreicht hat und sich nun zurück in das Thema fallen lässt, während seine Mitmusiker und Publikum loslassen und durchatmen können. Vielleicht ist man hier, am Höhepunkt von Impressions, dem Menschen Wes Montgomery am nächsten: Wes Montgomery war der Gitarrist, der lacht. Es gibt schlimmeres, was man über einen Menschen sagen kann.



Ein Video, aufgenommen in den NDR-Studios in Hamburg am 30. April 1965. West Coast Blues ist eine der erfolgreichsten und in den 1960ern die am meisten nachgespielte Wes-Komposition.

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