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Vor 50 Jahren: Wes geht nach New York

Wes Montgomery Trio

Wes Montgomery Trio

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Wes Montgomery den vielleicht wichtigsten Schritt seiner Karriere gegangen ist. Wenige Wochen, nachdem der Produzent Orrin Keepnews nach Indianapolis gereist war, um sich auf Empfehlung von Cannonball Adderley diesen bislang noch unbekannten Gitarristen anzuhören, reist Wes Montgomery nach New York – ausgerüstet mit einem frisch unterzeichneten Plattenvertrag. Am 5. und 6. Oktober steht er erstmals für das Label Riverside im Studio. Gemeinsam mit Organist Melvin Rhyne und Drummer Paul Parker – beide sind Musiker aus Indianapolis – nimmt Wes das Album „The Wes Montgomery Trio“ auf. Es legt die Grundlage für seinen musikalischen Erfolg in den kommenden Jahren, auch wenn er erst mit dem nachfolgenden Album „The Incredible Jazz Guitar of Wes Montgomery“ seinen eigentlichen Durchbruch erzielt.

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Mehr zu dem Album „The Wes Montgomery Trio“ habe ich an dieser Stelle geschrieben.

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Vor 40 Jahren: Attila Zollers Tributesong Wild Wild Wes

Dass die Musik Wes Montgomerys kaum einen Gitarristen unberührt lässt, muss vielleicht nicht extra erwähnt werden. Und so gibt es mittlerweile zahlreiche große oder kleine musikalische Verbeugungen vor dem Meister. Diese hier finde ich persönlich besonders gelungen, und weil sie vor genau 40 Jahren – im Spätsommer 1969 – aufgenommen wurde, ist sie eine Referenz wert! Das Stück „Wild Wild Wes“ eröffnet Attila Zollers Album „Gypsy Cry“, ein Kleinod der Jazzgitarre, das in seiner stilistischen Vielsprachigkeit die Übergangsphase seiner Zeit ganz hervorragend repräsentiert. Es handelt sich um Aufnahmen zwischen Tradition und Aufbruch. Zusammengehalten wird das Album dabei vor allem von den Fähigkeiten des Leaders. Am Piano hört man übrigens keinen Geringeren als Herbie Hancock.

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Gypsy Cry

Gypsy Cry

Das Sück anhören:

Attila Zoller – Wild Wild Wes

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Den ganzen Spaß gibt es auch auf CD oder als kostengünsten MP3-Download. Zum Album gehört übrigens auch der Ohrwurm „The Birds And The Bees“, der vor einigen Jahren durch die Duo-Interpretation von Pat Metheny & Jim Hall wieder aus der Versenkung geholt wurde.

Noch ein Hinweis für Fans von Attila Zoller: Über das Birdland Neuburg kann man eine von Heinz Protzer geschriebene neue Biografie/Diskografie von Zoller bestellen.

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Adrian Ingram legt Wes-Biografie neu auf

Wer etwas mehr über das Leben und Wirken von Wes Montgomery erfahren möchte, als es die üblichen Online-Biografien (vor allem die bewusst armselig gehaltene bei der deutschen Wikipedia) zu bieten haben, muss zu Adrian Ingrams englischsprachiger Biografie greifen. Sie stammt aus dem Jahr 1984 und versammelt die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen. Da Adrian Ingram selbst ein bekannter, hochklassiger Gitarrist ist, enthält seine damalige Arbeit nicht nur eine Diskografie, sondern auch viele Erläuterungen zur Spielweise von Wes Montgomery. Nun, ein Vierteljahrhundert später, hat Adrian Ingram zum ersten Mal sein Wes-Buch überarbeitet und in einer neuen Auflage vorgelegt. Doch welche Enttäuschung!
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Wes Montgomery Biografie

Wes Montgomery Biografie

Anders als Alexander Schmitz, der die überarbeitete „Wes-Bibel“ schon vor ein paar Monaten sehr wohlwollend rezensiert hat, finde ich diese zweite Auflage nicht nur enttäuschend, sondern zutiefst ärgerlich. Und das aus zwei Gründen:
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1. Die Form
Als Ingrams Buch zum ersten Mal erschien, mussten Bücher noch auf Schreibmaschinen getippt werden, die Zettel wurden dann von mehr oder weniger talentierten Menschen auf eine Druckmaschine übertragen und zu einem Buch gemacht. Schon für das Jahr 1984 war die Wes-Biografie ein dilettantisch gesetztes, schlecht lesbares und schlecht gedrucktes Werk in einem unmöglichen Format. Heute leben wir in einer Zeit, in dem wir den Begriff Desktop Publishing schon fast wieder vergessen haben, weil der Prozess vom Schreiben zum Druck quasi auf Knopfdruck funktioniert. Wir haben selbst bei kostenlosen Open-Source-Programmen die Möglichkeit, mit ein paar Mausklicks moderne und lesbare Layouts zu erstellen. Vor diesem Hintergrund hinzugehen und das 25 Jahre alte Layout des Buches noch einmal zu verwenden, ist für mich absolut unverständlich und nicht akzeptabel. Alexander Schmitz schreibt dazu, bei Büchern des Verlags Ashley Mark handele es sich um „solide Arbeiten eher konservativer Mach- und Gestaltungsart“. Nein, das sehe ich ganz anders. Wäre es den Machern wirklich mehr auf die Inhalte denn auf die Form angekommen, wie Schmitz mutmaßt, dann hätten sie sich zumindest für eine Minute Gedanken über den Zusammenhang dieser beiden Dinge machen können. Doch selbst dies war offensichtlich zu viel verlangt. Und so ist das Buch erst recht in seiner Neuauflage ein altbacken und dilettantisch gesetztes Buch, das schlecht lesbar ist.
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2. Der Inhalt
Es gibt Dinge, die muss man nicht neu erfinden. Die sind gut, die stehen gerade und erfüllen ihren Zweck. So ungefähr muss es sich Adrian Ingram gedacht haben, denn an seinem Text über das Leben Wes Montgomerys, also an den rund 50 Kernseiten des Buches, hat er nicht ein Komma geändert. Das kann man so akzeptieren, aber man kann auch fragen: Lieber Adrian, ist in den vergangenen 25 Jahren nicht eine einzige neue Information über Wes Montgomery ans Licht gekommen, die es Wert gewesen wäre, dass man sie weitererzählt? Hätte es nicht den einen oder anderen Aspekt gegeben, bei dem man als Autor noch einmal hätte recherchieren können, müssen, sollen? Hat man als Autor nicht das Bedürfnis, einen 25 Jahre alten Text noch einmal zu verbessern oder stilistisch seinem gegenwärtigen Können anzupassen? Als Journalist kann ich eine solche Scheiß-egal-Haltung beim besten Willen nicht akzeptieren. Und da versöhnt es mich auch nicht, dass er sich bei der Diskografie diesmal wirklich Mühe gegeben hat. Dadurch ist sie zwar nicht lesbarer und übersichtlicher geworden, aber wesentlich vollständiger. Aber herrje, die gleichen Infos finde ich auch (besser organisiert) bei Jazzdisco.org.
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Mein Fazit: Wer etwas tiefer in die Biografie von Wes Montgomery einsteigen möchte, benötigt dieses Buch nach wie vor, denn es gibt keine Alternative. Aber wer die alte Ausgabe bereits besitzt, kann sich das Update sparen!

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Adrian Ingram: Wes Montgomery, Ashley Mark Publishing, $36,99/£18,50

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Carlos Santana über Wes

Unter den vielen Weltklasse-Gitarristen, die Wes zu ihren Vorbildern zählen, gehört auch Carlos Santana, selbst einer der einflussreichsten Saitenquäler. Jetzt hat er sich mal wieder in einem Interview kurz dazu geäußert:

“In my opinion, good guitarists are those who play from their heart. My favorites are always changing, but I can say that for me the best guitarists ever are Hendrix, Segovia, Wes Montgomery, Buddy Guy…”

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„Buddy“ Montgomery gestorben

Buddy Montgomery

Buddy Montgomery

Wes Montgomerys jüngerer Bruder Charles „Buddy“ Montgomery ist in der vergangenen Woche im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Vibraphonist und Pianist bildete gemeinsam mit Wes und Monk die Montgomery Brothers, die Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre diverse Aufnahmen machten und bis zu Wes Tod 1968 immer wieder auftraten. Gemeinsam mit Bruder Monk bildete er außerdem den Kern der Mastersounds, die (zum Teil auch mit Wes) Ende der 1950er Jahre an der amerikanischen Westküste populär waren. 1960 spielte Buddy kurz in der Band von Miles Davis, später formte er ein eigenes Trio und arbeitete als Musiklehrer. Charles Montgomery (30. Januar 1930 – 14. Mai 2009) starb in seinem Haus im kalifornischen Palmdale an Herzversagen.

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Creed Taylor: Die Beatles flippten aus

Creed Taylor, Produzent der späten Alben Wes Montgomerys, auf die Frage, warum Hubert Laws den Song „Let It Be“ ein halbes Jahr vor den Beatles veröffentlichen konnte:

JW: But while the song Let It Be was recorded in January 1969, it wasn’t released as a single until March 1970, followed by the album in May. How did you get a hold of the song in mid-1969?
CT: CTI and George Martin shared the same U.S. attorney at the time. I had given the attorney a copy of Wes Montgomery’s A Day in the Life in 1967 and he took it back to Paul McCartney. The Beatles flipped out about it. They liked it so much that Paul in 1969 sent me a run through tape of what he had done on Let It Be.

Die Beatles also „flippten aus“, als sie Wes‘ Version von A Day In The Life hörten! (Und schickten Taylor ein Demotape mit dem Hinweis, er könne das Stück benutzen.) Das ist interessant und wird von Creed Taylor sicher gerne erzählt, denn bis heute muss er reichlich Prügel für seine kommerziellen Wes-Alben einstecken. Das Zitat stammt aus einem sehr ausführlichen Interview bei All About Jazz.

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Wes Spieltechnik – Der Mann mit dem Daumen

„The Thumb“ heißt eine der Kompositionen von Wes Montgomery, zu finden ist sie auf dem Album Tequila. „Der Daumen“, das bezieht sich auf die Art und Weise, wie Wes sein Instrument spielt. Denn anders als die allermeisten Jazzgitarristen benutzte er keinen Pick, sondern den Daumen, um die Saiten anzuschlagen. Diese Technik ist ebenso ungewöhnlich wie typisch für den Autodidakten Montgomery. Was den Sound des Gitarristen so sonst noch so faszinierend macht? Ich habe an dieser Stelle ein paar Sätze dazu geschrieben.

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Gitarrist Terrence Brewer huldigt Wes

Terrence Brewer -- Groovin' Wes (2008)

Terrence Brewer -- Groovin' Wes (2008)

Gitarrist Terrence Brewer hat sich in der Jazzszene der Bay Area in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Seit seinen beiden Alben „The Calling Vol. 1“ und „Vol. 2“ ist er samt Trio oder Quartett nicht nur in den Clubs von San Francisco gerne gesehen, sondern auch schon mal bei Google. Ende 2008 ist sein neuestes Album erschienen: Groovin‘ Wes. Der Untertitel macht eigentlich alles klar: „A Musical Expression of Admiration for Wes Montgomery„.

Brewer rührt auf diesem Album eine Melange zusammen aus einigen Wes-Kompositionen (Bumpin‘, Road Song, Bumpin‘ on Sunset) sowie Standards, die auch aus dem Wes-Repertoire bekannt sind, etwa Here’s That Rainy Day oder Yesterdays. Für die Interpretation der Stücke hat sich der Gitarrist ein gut harmonierendes Trio zusammengestellt, bestehend aus Wil Blades (Hammond B3) und Micah McClain (Drums). Diese Besetzung erinnert natürlich an die berühmten Aufnahmen, die Wes Montgomery im Hammond-Trio hinterlassen hat.

Gitarristisch gesehen ist Terrence Brewer ein klassischer Jazz-Player mit einem warmen, leicht dumpfen Sound, der eher an Pat Martino als an Wes Montgomery erinnert. Als sehr positiv empfinde ich, dass es Brewer bei einigen Wes-Zitaten belässt und ansonsten souverän seinen Stil spielt, ohne eng an den Lines oder den Techniken Wes Montgomerys zu kleben. Einen recht guten Eindruck vermitteln die Samples des Albums, die man sich auf der schön designten (aber sehr Flash-lastigen) Homepage anhören kann. Bei Gefallen kann man das Album zum Beispiel über iTunes (7,92 Euro) downloaden.

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CD-Tipp: The Montgomeryland Sessions

The Montgomeryland Sessions

The Montgomeryland Sessions

Eine neue 2-CD-Compilation fasst Aufnahmen der Montgomery Brothers aus den späten 1950er Jahren zusammen: „The Montgomeryland Sessions“ (Gambit Records) enthält die kompletten Alben “The Montgomery Brothers & Five Others” (1957), “Montgomeryland” (1958/59) und “The Montgomery Brothers Wes, Buddy & Monk” (1958). Ebenfalls enthalten sind jene Stücke der Mastersounds-LP „Kismet“ und des Jon-Hendricks-Albums „A Good Git Together“ (1959), auf denen Wes als Solist zu hören ist. Ein interessanter Bonus ist das Stück „Love For Sale“, das die Montgomery Brothers 1955 aufnahmen. Bislang gab es dieses Stück nicht auf CD, sondern nur auf einer längst vergriffenen Vinyl-Compilation mit dem Titel “Almost Forgotten”. Insgesamt erscheinen mir die „Montgomeryland Sessions“ zwar ein etwas irreführender Titel zu sein, aber eine gelungene Auswahl, denn die Doppel-CD enthält die wichtigsten Aufnahmen, die Wes Montgomery vor seinen Riverside-Recordings gemacht hat.

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Die Europatournee 1965

Eines der am besten dokumentierten Kapitel im Leben von Wes Montgomery ist sein einziger Aufenthalt in Europa im Frühjahr 1965. Auf dieser kurzen Tour sind zahlreiche Audio- und TV-Aufnahmen erhalten, deren Datierung jedoch teilweise Schwierigkeiten bereitet. Ich habe versucht, die vorhandenen Informationen zu sortieren. Hier entlang …

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Freddie Hubbard gestorben

Freddie Hubbard

Freddie Hubbard

Am 29. Dezember 2008 ist ein weiterer wichtiger Jazz-Musiker gestorben: Freddie Hubbard. Der Trompeter kam, ebenso wie Wes Montgomery, aus Indianapolis. Bereits als 19-Jähriger stand Hubbard erstmals im Studio — gemeinsam mit den Montgomery Brothers. Auf „The Montgomery Brothers And Five Others“ sind der Nachwelt die ersten, noch etwas unsicheren Schritte des Musikers überliefert. Auch für Wes Montgomery war die Schallplatte die erste veröffentlichte Aufnahme seit seiner Zeit im Lionel Hampton Orchestra.

Kurz nach den Aufnahmen mit den Montgomery Brothers ging Freddie Hubbard nach New York, um sich dort innerhalb weniger Jahre in die Jazz-Elite zu spielen. Mit Alben wie „Ready for Freddie“ oder „Red Clay“ hat sich Hubbard fest in die Geschichte des Jazz eingeschrieben. Der 1938 geborene Hubbard starb in Los Angeles an den Folgen eines im November erlittenen Herzinfarkts.

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Wes im Kino

Tony MacAlpine als Wes

Tony MacAlpine als Wes

Es gibt eine Reihe guter und bekannter Jazz-Kinofilme, aber taucht eigentlich in einem dieser Filme Wes Montgomery auf? Ich wüsste es nicht. Dafür gibt es jetzt eine Wes-Montgomery-Nebenrolle in der verfilmten Biographie des Country-Gitarristen Hank Garland, die gerade in den US-Kinos anläuft und bereits auf diversen Kinofestivals Preise u. a. für den Soundtrack abgeräumt hat. Auf der Website von Crazy kann man sich einen kurzen – und für Liebhaber von Archtop-Gitarren sehr vielversprechenden – Trailer ansehen, in dem auch „Wes Montgomery“ für wenige Augenblicke eines Clubauftritts auftaucht. Gespielt wird Wes vom Flitzefinger-Gitarristen Tony MacAlpine. Co-Produzent von Crazy war Steve Vai.

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