Zwei aus Indianapolis

Beim „Blick über den Tellerrand“ bin ich auf eine Aufnahme von J. J. Johnson gestoßen, die erst vor wenigen Tagen veröffentlicht worden ist und interessante Bezüge zu Wes Montgomery aufweist. Bei der Aufnahme handelt es sich um einen Mitschnitt vom Newport Jazz Festival 1964, bei dem der berühmte Bebop-Posaunist mit einem Quartett auftritt, bestehend aus Harold Mabern (p), Arthur Harper (p) und Louis Hayes (dr). Ein Jahr später gehören Mabern und Harper zu dem Quartett, das Wes Montgomery auf der Europatournee begleitet. Und wie Mabern berichtet, war dieses Quartett auch schon zuvor mit Wes in den USA unterwegs.

J. J. Johnson

J. J. Johnson

Biographisch ist diese Johnson-Aufnahme insofern interessant, als es bislang keinerlei (zumindest keine mir bekannten) Beziehungen gab zwischen Wes und J. J. Johnson, obwohl beide aus Indianapolis stammten und etwa zur selben Zeit geboren sind. Diese neue Aufnahme zeigt nun zumindest, dass sich beide zur gleichen Zeit in denselben Musikerkreisen bewegten. Auch vom Repertoire her ist interessant, dass es mit Coltranes „Impressions“ einen damals noch recht jungen Titel gibt, den beide interpretieren.

Noch einmal zur Biographie: Im Gegensatz zu Wes, der seiner Heimatstadt immer treu blieb, ging Johnson schon recht früh nach Chicago und New York. Daraus erklärt sich wohl, dass beide Musiker nie gemeinsam arbeiteten. Der Posaunist steht auch in keiner Beziehung zum Montgomery-Johnson-Quintet, dem Mitte der 1950er Jahren aktiven Vorläufer der Montgomery Brothers. Allerdings: Wie Wes wurde Johnson nicht nur in Indianapolis geboren, sondern starb auch hier. Gemeinsam mit Trompeter Freddie Hubbard gehören sie zu den „großen Drei“ Jazzern, die die Stadt hervorgebracht hat.

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