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R.I.P. Melvin Rhyne

Melvin Rhyne – The Legend

Melvin Rhyne – The Legend

Der Jazz-Organist Melvin Rhyne ist am Dienstag nach schwerer Krankheit gestorben. Rhyne stammte aus Indianapolis und wurde durch seine Zusammenarbeit mit Wes Montgomery bekannt. Zuvor hatte er unter anderem T-Bone Walker und Rahsaan Roland Kirk begleitet. Melvin Rhyne spielte auf insgesamt vier Wes-Alben: The Wes Montgomery Trio: A Dynamic New Sound (1959), Guitar on the Go, Boss Guitar, and Portrait of Wes (alle 1963). 1960 nahm Melvin Rhyne die Platte Organ-izing auf, unter anderem mit Tenorsaxophonist Johnny Griffin, Trompeter Blue Mitchell and Drummer Albert „Tootie“ Heath. Nach den Jahren mit Wes Montgomery zog Melvin Rhyne nach Wisconsin. Ab den 1990er Jahren nahm seine Karriere wieder Fahrt auf. Er nahm zahlreiche Alben auf, unter anderem mit Peter Bernstein und Joshua Redman. Melvin Rhyne wurde 76 Jahre alt.

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Neue Liveaufnahmen von Wes Montgomery

Überraschung kurz vor Weihnachten: Die US-Seite Wolfgang’s Vault hat mehr oder weniger still und heimlich (ich habe den offiziellen Release Anfang November jedenfalls verpasst, obwohl ich seit Jahren jeden Newsletter danach durchsuche!) bislang unbekannte Live-Aufnahmen von Wes Montgomery bzw. den Montgomery Brothers veröffentlicht. Es handelt sich um drei Stücke vom Newport Jazz Festival 1967 – ein relativ kurzer Ausschnitt eines vermutlich deutlich längeren Auftritts am 3. Juli 1967. Wes spielt mit seinen Brüdern Buddy und Monk sowie mit Drummer Grady Tate. In zwei Stücken ist noch ein Percussionist zu hören, der bei den Angaben auf Wolfgang’s Vault nicht erwähnt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Ray Barretto handelt, mit dem Wes im Sommer 1967 mehrere Studioaufnahmen einspielte.

Wes MontgomeryDie Aufnahmen, die jetzt bei Wolfgang’s Vault dokumentiert wurden, zeigen Wes in absoluter Oktavlaune. Schon im Auftaktstück, der Wes-Komposition Naptown Blues, zeigt er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Nach einer längeren Singlenote-Passage geht Wes zur einem sehr dynamischen Oktavspiel über. Im engen rhythmischen Zusammenspiel mit seinen Brüdern treibt er das Stück voran.

Es folgt eine nur rund zweiminütige Version von Goin‘ Out of My Head. Das  Thema des Popsongs spielt er in Oktaven, großartig begleitet von Monk und mit einem lässigen Groove, angereichert durch die Percussions von (vermutlich) Ray Barretto. Ein Solo fehlt. Das wird dann ausführlich in Tequila nachgereicht. Hier läuft Wes zu absoluter Hochform auf. Auch hier ist es ein straighter, von Drums und Percussions getragener Groove, der Wes‘ Spiel beflügelt. Dabei hält er sich gar nicht erst mit Singlenotes auf. Mit seinen Oktaven gibt er gleich nach dem Thema richtig Gas und bremst auch nicht mehr ab. In einer grandiosen Abfolge immer neuen Ideen zeigt sich Wes hier in einer geradezu beängstigenden Form. Die ganzen knapp fünf Minuten des Gitarrensolos sind ein Manifest seiner Musikalität, seines außergewöhnlichen Rhythmusgefühls und seiner Technik.

Wolfgang’s Vault, die das Archiv des Newport Festivals besitzen und nach und nach aufarbeiten und veröffentlichen, schenken uns mit dieser Viertelstunde einen wirklich kostbaren Einblick in ein kaum dokumentiertes Kapitel, nämlich das späte Zusammenspiel der drei Montgomery Brothers, die hier, knapp ein Jahr vor dem Tod des Gitarristen, wie ich finde so großartig wie nie zuvor performen. Ich will mehr davon!

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Erste Rezension zu den „Echoes“

Echoes of Indiana Avenue

Echoes

Echoes of Indiana Avenue, das neue Album mit den bislang unbekannten Aufnahmen von Wes Montgomery, wird in diesem Monat erscheinen. Oliver Dunskus hat es bereits gehört und eine sehr ausführliche Rezension darüber geschrieben – sehr lesenswert! Erschienen ist es bei Alexander Schmitz, der sein Onlinemagazin leider Ende März einstellen und das Archiv in die Hände von Archtop Germany legen wird.

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Neue Wes-Aufnahme wird versteigert

Auf Ebay hat soeben eine Auktion begonnen, bei der das erste Exemplar der neuen Wes-Montgomery-Aufnahmen „Echoes of Indiana Avenue“ versteigert wird. Die Nummer 1/1000 der in limitierter Edition erscheinenden Sonderveröffentlichung mit Doppel-LP und CD wird von Resonance Records zugunsten der amerikanischen Herz-Stiftung angeboten. Bekanntlich ist Wes im Alter von 45 Jahren an Herzversagen gestorben. Schön zu erkennen ist das schön gestaltete Cover der LPs. Update: Das Resultat, immerhin 305 US-Dollar.

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Musik-Manager John Levy gestorben

Devra & John Levy

Devra & John Levy

Der Bassist und spätere Manager zahlreicher Jazz-Musiker John Levy ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Levy, der mit der Tochter von Jim Hall verheiratet war, war auch viele Jahre lang der Manager von Wes Montgomery. In seinen Lebenserinnerungen, die vor einigen Jahren von Devra Hall aufgeschrieben worden sind, erzählt Levy viel über seine Zeit mit Wes. So hatte er sich noch wenige Tage vor Wes Tod mit dem Gitarristen am Flughafen von Phoenix getroffen, um geschäftliche Dinge zu besprechen. Als Bassist spielte Levy in den 1940er Jahren mit Ben Webster, Milt Jackson oder Erroll Garner. 1948 war er dabei, als Billie Holiday ihr berühmtes Comeback-Konzert in der Carnegie Hall gab. 1949 gehörte er zur Band von George Shearing, die er bald darauf auch managte. Als erster freier afroamerikanischer Jazzagent betreute Levy neben Wes Montgomery auch Cannonball Adderley, George Shearing oder Nancy Wilson. 2006 erhielt er die höchste US-Auszeichnung im Bereich Jazz, die NEA Jazz Masters Fellowship. John Levy wäre in drei Monaten 100 Jahre alt geworden.

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Nächste Ehrung für Wes

Wes Montgomery erhält eine Ehrentafel in seiner Heimatstadt. Entlang der Georgia Street in Downtown Indianapolis sollen demnächst 6 Fuß hohe Tafeln bzw. Säulen an die berühmtesten Bürger des Bundesstaates Indiana erinnern. Unter den ersten zehn, die dafür ausgesucht wurden, ist auch Wes Montgomery! Wes befindet sich in interessanter Gesellschaft. Neben bekannten Schriftstellern und Industriellen sind auch die US-Präsidenten Banjamin Harrison und Abraham Lincoln in den Top Ten zu finden.

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Sensationelle Wes-Aufnahmen aus den 1950er Jahren angekündigt

Die Ankündigung einer neuen Albumveröffentlichung im kommenden Jahr macht die Runde: „Echoes of Indiana Avenue“ soll bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Wes Montgomery aus den 1950er Jahren enthalten. Etwa anderthalb Jahre hat das Team von Resonance Records u. a. in Wes Heimatstadt Indianapolis recherchiert, um die Herkunft der Stücke und die Mitmusiker zu ermitteln. Die unbekannten Stücke wurden 1957 und 1958 in den Clubs der Indiana Avenue oder im Studio aufgenommen. Damit ist wohl recht eindeutig, dass es sich um die vor über drei Jahren bei Ebay angebotenen Lost Tapes handelt.


„Echoes of Indiana Avenue“ soll am 6. März, also an Wes‘ Geburtstag erscheinen. Die CD bzw. die LPs sollen mit unbekannten Bilddokumenten und mit zahlreichen Essays, u. a. von Pat Martino, erscheinen. Wir sind gespannt!

Resonance Records bei Facebook

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Radio-Interview mit Wes Montgomery aus dem Jahr 1966

Jorgies and moreEs gibt Platten, die sind ein wenig wie eine Wundertüte, zugleich seltsam und überraschend. Live at Jorgies and More ist so eine Platte. Sie ist eine wilde Mischung aus Aufnahmen und Interviews, die nach seinem Tod zusammengestellt wurde. Eine Art Resterampe, aber doch voller schöner Momente. Die B-Seite der LP ist sogar von besonderer Bedeutung, denn hier finden sich die vermutlich letzten Aufnahmen, die von Wes gemacht wurden, sowie das weiter unten als Video eingebundene Interview mit Jim Rockwell (inklusive der Wiederholung des Stückes California Nights, das in den LP-Credits gar nicht erwähnt wird – eine frühe Form des hidden tracks). Das zweite Radiointerview von der LP Live at Jorgies and More (VGM 0008), die bislang nie als CD veröffentlicht worden ist – lediglich die beiden wirklichen Jorgies-Aufnahmen von 1961, Starlight und eine unvollständige Version von ‚Round Midnight, wurde auf der CD Complete Live at Jorgies wiederveröffentlicht –, stammt aus dem Jahr 1966 und wurde von Jim Bosa in Los Angeles geführt. Da ich es noch nie irgendwo gefunden habe, ebensowenig wie eine Transkription, nehme ich mir die Freiheit, das Interview an dieser Stelle einzubinden. Viel Spaß beim Hören!

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Wes Montgomery und Jim BosaRadio-Interview 1966 (Link öffnet den Miniplayer)
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Die deutlichen Nebengeräusche gehören übrigens zur Aufnahme und sind nicht durch den Plattenspieler oder meine Digitalisierung verursacht. Gleiches gilt für den abrupten Start mitten im Gespräch.

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Neu auf CD: Montgomeryland Sessions plus Horns & Strings

Wenn Künstler sterben, wollen viele noch einmal richtig Kasse machen. Das war schon in den 1960er Jahren so. Kaum war Wes Montgomery 1968 tot, holte Produzent Dick Bock einige der frühen Pacific-Aufnahmen der Montgomery Brothers aus dem Archiv, verpasste ihnen ein paar Overdubs und brachte die Sessions aus den Jahren 1958 und 1959 als neue LP heraus. Damaliger Titel: „A Portrait of Wes Montgomery“ (nicht zu verwechseln mit dem 1963er Riverside-Album „Portrait of Wes“). Genau diese überarbeiteten Stücke sind nun (erstmals?) auf CD erhältlich. Fresh Sound / Fenn Music hat das Material aus der Versenkung geholt und gemeinsam mit den Originalen unter dem Titel The Montgomeryland Sessions Plus Horns & Strings veröffentlicht.

Indem Bock die frühen Aufnahmen mit dem Tenor-Saxofonisten Harold Land und dem Alt-Saxofonisten Pony Poindexter mit Big Band und Orchester versüßt, folgt er der Entwicklung, die Wes in seinen späten Jahren genommen hatte, als er sich von Creed Taylor in einen Popjazz-Künstler verwandeln ließ. Für die Overdubs beauftragte er den renommierten Trompeter und Arrangeur Gerald Wilson mit den zusätzlichen Arrangements. Und Dank der Klasse von Wilson sind die Overdubs zumindest keine musikalischen Verbrechen – was immer man von dieser Art der nachträglichen Bearbeitung halten mag.

Insgesamt sechs Stücke sind von Wilson überarbeitet worden. Aus der Session der Montgomery Brothers mit Harold Land sind das Far Wes (+Horns), Leila (+Horns), Old Folks (+Strings) und Montgomeryland Funk (+Horns). Aus der Session mit Pony Poindexter sind es die Titel Summertime und Falling In Love With Love (beide +Strings). Die zugrundeliegenden Originalalben sind übrigens Montgomeryland (Pacific Jazz PJ 5) und Wes, Buddy And Monk Montgomery (Pacific Jazz PJ 17)

Bezugsquellen: Fenn Music, JPC, Amazon

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Alle Verve-Aufnahmen als CD-Box

Movin-BoxEine neue, interessante Wes-Kompilation von Hip-OSelect steht ins Haus: Ende September erscheint auf 5 CDs eine Zusammenstellung aller Aufnahmen, die Wes bei Verve veröffentlicht hat. Sie enthält alle Tracks von „Movin‘ Wes“, „Bumpin‘„, „Smokin‘ at the Half Note“, „Goin‘ Out of My Head“, „Tequila„, „California Dreamin'“, „Jimmy & Wes, The Dynamic Duo“ sowie „Further Adventures of Jimmy & Wes“. Auch die Bonus-Tracks, die Verve posthum auf diversen LPs gestreut hat, sind enthalten, was die Box spannend macht. Ernüchternd ist jedoch der Preis: Amazon scheint dafür 137 Euro aufzurufen, was angesichts des US-Verkaufspreis von 99 Dollar und des aktuellen Wechselkurses hoffentlich noch korrigiert wird. Für die Box hat Marc Myers neue Liner notes geschrieben, auch eine Sammlung seltener Fotos soll das Angebot abrunden.

Update: Bei JPC liegt der deutsche Verkaufspreis für die Box bei 44,99 Euro. Hier gibt es auch eine detaillierte Liste der enthaltenen Titel.

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Indianapolis ehrt Wes mit Wasserspiel-Park

Eine etwas obskure Meldung, ich gebe es zu, aber warum soll ich sie hier nicht weitergeben: Im seit 1970 existierenden Wes-Montgomery-Park in Indianapolis gibt es eine neue Attraktion, eine Art Wasserspielpark („Spray Park“). Das Objekt ist in Form einer Gitarre gestaltet und soll so an den Gitarristen erinnern. Zu den Wasserspielen soll Musik von Wes gespielt werden. Zur Eröffnung mit dem Bürgermeister wird auch Wes‘ jüngster Sohn Robert erwartet.

Spray Pool im Wes Montgomery Park

Spray Pool im Wes Montgomery Park

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