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Neues Buch beschreibt die Jazz-Szene von Indianapolis

Die Indiana Avenue war das kulturelle Zentrum der Farbigen in Indianapolis. In den Clubs entlang der Straße spielten auch die vielen Musiker, die die Stadt hervorgebracht hat: J.J. Johnson, Freddie Hubbard, Jimmy Coe, Leroy Carr und natürlich die Montgomery Brothers. David L. Wilson, der mit der Kulturszene der Indiana Avenue aufgewachsen ist, hat jetzt ein Buch über die Geschichte der Straße geschrieben, Indianapolis Jazz: The Masters, Legends and Legacy of Indiana Avenue(The History Press).

David Wilsons Vater war mit Wes Montgomery befreundet. „Er besuchte hin und wieder unser Haus und spielte Gitarre für uns“, erinnert sich der Autor. Auf über 200 Seiten und mit 60 Bildern des Fotografen Duncan Schiedt erzählt Wilson die Entwicklung der Straße im 20. Jahrhundert. Ein ganzes Kapitel dabei ist den Brüdern Montgomery gewidmet.

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Wes jetzt auch in der Ertegun Jazz Hall of Fame

wesguitarDas New Yorker Jazz at Lincoln Center hat bekanntgegeben, dass Wes Montgomery jetzt auch in die Ertegun Jazz Hall of Fame gewählt worden ist. Außer Wes wurden in diesem Jahr Sängerin Betty Carter, Bandleader Fletcher Henderson und Drummer Elvin Jones von Jazzfans aus der ganzen Welt in die EJHF gevotet.

Seit 2004 ehrt die Liste Musiker, die durch einzelne Arbeiten oder ihre Fähigkeiten dazu beigetragen haben, den Jazz weiterzuentwickeln. Bislang gehören 45 Musiker zur Ertegun Jazz Hall of Fame. Jedes Jahre sucht eine Jury Kandidaten aus, die dann über das Netz von Jazzfans gewählt werden. Dass die Wahl in diesem Jahr auch auf Wes fiel, zeigt die anhaltende Popularität des Gitarristen.

Die öffentliche Präsentation der Wahl findet am 9. Juni 2014 im Dizzys Club Coca Cola des Jazz at Lincoln Center (Frederic P. Rose Hall) statt und wird auch per Webcast übertragen.

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Seltenes TV-Interview mit Wes Montgomery

Ein großartiger Fund von Wolf Martini: Wes im TV-Interview und am Ende live im Studio mit den Montgomery Brothers! „People in Jazz“ von 1968, Interviewer ist Jim Rockwell.

Update: Nachdem das Video gelöscht worden war, kann man es derzeit wieder sehen. Ich würde sagen: Wer das interessant findet, archiviert es besser schnell.

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R.I.P. Stan Tracey

Der britische Pianist und Komponist Stan Tracey ist am 6. Januar 2014 im Alter von 86 Jahren gestorben. In den 1960er Jahren gehörte Tracey zur Band in Ronny Scott’s Jazzclub in London. Hier begleitete er zahlreiche amerikanische Jazzmusiker wie Stan Getz, Sonny Rollins und Wes Montgomery. Auf seiner Europa-Tour gastierte Wes mehrfach im Ronny Scott’s, mehrere Aufnahmen sind erhalten geblieben. Aufnahmen von Tracey und Wes finden sich auf der LP „Body and Soul“ sowie der DVD „Live in ’65“.

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NDR Info mit Wes-Feature

Leider nur bis zum 17. September im Netz noch einmal nachzuhören: Ein Radio-Feature über die Montgomery Brothers. Autorin Marianne Therstappen widmet sich einigen besonders gelungenen Aufnahmen der Brüder, zum Beispiel dem Stück „Back to Bock“. Dem allgemeinen Lob des Albums „Groove Yard“ ist durchaus zuzustimmen. Anhören, so lange es noch geht. Falls jemand einen Mitschnitt für mich hat, wäre das super.

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Neu abgemischt: So Much Guitar

So Much Guitar (1961)

So Much Guitar (1961)

Vor fast genau 52 Jahren, am 4. August 1961, nahm Wes Montgomery seine vierte LP als Leader für das Label Riverside auf: „So Much Guitar! (OJC Remasters)„. Jetzt ist eine neue Version, „digital remastered“, des Albums erschienen. Es enthält nicht nur die Aufnahmen von So Much Guitar, sondern auch noch diejenigen von „The Montgomery Brothers Live in Canada„.

„So Much Guitar“ gehört zu den eher wenig beachteten Alben von Wes. Dabei sollte es wohl ein ähnlich großer Wurf werden wie „The Incredible Jazz Guitar„, mit dem Wes im Jahr zuvor seinen endgültigen Durchbruch erzielt hatte. Mit dem Pianisten Hank Jones, dem jungen Ron Carter, Drummer Lex Humphries und Percussionist Ray Barretto hatte Produzent Orrin Keepnews wieder eine attraktive Band aus angesagten New Yorker Musikern zusammengestellt. Und obwohl alle gemeinsam ein durchweg hörbares Ergebnis abliefern, kommt „So Much Guitar“ nicht an sein Vorbild heran.

So Much Guitar, Rückseite

So Much Guitar, Rückseite

Schon im Auftaktstück, Wes eigenem „Twisted Blues“, wirkt der Gitarrist ein wenig fahrig. Seine Improvisation ähnelt eher einer Anhäufung von Licks. Kein Vergleich zu späteren Liveaufnahmen, denn „Twisted Blues“ gehörte später zum Standardrepertoire seiner Konzerte. Insgesamt bietet die Studioversion auch wenig Dynamik, obwohl der Groove mit den zusätzlichen Congas eigentlich ganz gut läuft. (Wobei man anmerken muss, dass Twisted Blues auch auf einem sehr vertrackten Akkordschema basiert, das nicht gerade zu eleganten Improvisationen einlädt und erst einmal gemeistert werden will.)

Und ganz ähnlich geht es eigentlich die gesamte Platte hindurch. Zu den Höhepunkten gehört für mich die Version von „Repetition“, wo Wes das Thema mit seinem von Oktaven und Singlenotepassagen gut umsetzt. Spannend für Gitarristen: Mit „While We’re Young“ enthält das Album eines der wenigen reinen Solo-Stücke, die Wes aufgenommen hat.

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Buchtipp: Jazz Life

Montgomery Brothers

Montgomery Brothers

Im magischen Jazzjahr 1960 reiste Fotograf William Claxton gemeinsam mit dem deutschen Jazzautor Joachim E. Behrendt drei Monate lang durch die USA. An den Hotspots des Jazz – New Orleans, Kansas, New York, San Francisco, L.A. etc. – trafen sie die meisten der maßgeblichen Musiker dieser Zeit. Claxtons Fotos aus der Zeit sind Klassiker, nicht wenige haben das Bild des Jazz insgesamt maßgeblich geprägt. Der den Kopf bis fast auf die Tastatur gebeugte Bill Evans, Stan Getz im Hinterhof, nur senkrecht von einer Hauslampe ausgeleuchtet, oder Trompeter Donald Byrd, der in einem New Yorker U-Bahn-Wagen übt – all das sind Fotos, die sich in die Erinnerung an diese große Zeit eingebrannt haben. Continue Reading →

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R.I.P. Ben Tucker

Bassist Ben Tucker ist im Alter von 82 Jahren gestorben. 1930 in Nashville geboren, spielte Tucker unter anderem auf Platten von Gerry Mulligan, Grant Green und Quincy Jones. Er war an der Produktion des Hits „Sunny“ beteiligt war, und profitierte später von den Tantiemen aus dem Stück von Bobby Hebb. Tucker war viele Jahre Bassist des Billy Taylor Trios, und in dieser Funktion kreuzte er 1964 den Weg Wes Montgomerys. Wes und Taylor spielten einige Radioaufnahmen ein, die unter dem Titel „The Navy Swings“ (mit Drummer Grady Tate und Sänger Joe Williams) veröffentlicht worden sind. Ben Tucker wurde in seiner Wahlheimat Savannah Opfer eines Verkehrsunfalls, als er mit einem Golfwagen unterwegs war.

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R.I.P. Arnold Eidus

Als Sohn russischer Einwanderer am 28.11.1922 in New York City geboren, konnte sich Arnold Eidus schon früh als ein Wunderkind an der Geige etablieren. Bereits mit 16 gab er ein Konzert in der Carnegy Hall. Mit 24 gewann er in Paris als erster Amerikaner die Jacques Thibaud International Violin Competition. Später wurde er Konzertmeister des ABC Symphonieorchesters. Bevor er 1967 bei einer Werbeagentur anheuerte, um Werbe-Jingles zu produzieren, war er auf zahlreichen Jazz-Alben zu hören, die mit Orchestern erweitert wurden. Bereits auf der Riverside-LP „Fusion“, der ersten Streicherplatte von Wes Montgomery, ist Eidus dabei. Auch nach dem Wechsel der Plattenfirma bleibt der Violinist dem Jazzgitarristen treu. Auf den Verve-Platten „Bumpin'“ (1965, mit Dirigent und Arrangeur Don Sebesky) und „Tequila“ (1966, mit Dirigent und Arrangeur Claus Ogerman) ist Arnold Eidus ebenfalls zu hören. Der Musiker starb am 3. Juni im Alter von 90 Jahren.

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R.I.P. Melvin Rhyne

Melvin Rhyne – The Legend

Melvin Rhyne – The Legend

Der Jazz-Organist Melvin Rhyne ist am Dienstag nach schwerer Krankheit gestorben. Rhyne stammte aus Indianapolis und wurde durch seine Zusammenarbeit mit Wes Montgomery bekannt. Zuvor hatte er unter anderem T-Bone Walker und Rahsaan Roland Kirk begleitet. Melvin Rhyne spielte auf insgesamt vier Wes-Alben: The Wes Montgomery Trio: A Dynamic New Sound (1959), Guitar on the Go, Boss Guitar, and Portrait of Wes (alle 1963). 1960 nahm Melvin Rhyne die Platte Organ-izing auf, unter anderem mit Tenorsaxophonist Johnny Griffin, Trompeter Blue Mitchell and Drummer Albert „Tootie“ Heath. Nach den Jahren mit Wes Montgomery zog Melvin Rhyne nach Wisconsin. Ab den 1990er Jahren nahm seine Karriere wieder Fahrt auf. Er nahm zahlreiche Alben auf, unter anderem mit Peter Bernstein und Joshua Redman. Melvin Rhyne wurde 76 Jahre alt.

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Neue Liveaufnahmen von Wes Montgomery

Überraschung kurz vor Weihnachten: Die US-Seite Wolfgang’s Vault hat mehr oder weniger still und heimlich (ich habe den offiziellen Release Anfang November jedenfalls verpasst, obwohl ich seit Jahren jeden Newsletter danach durchsuche!) bislang unbekannte Live-Aufnahmen von Wes Montgomery bzw. den Montgomery Brothers veröffentlicht. Es handelt sich um drei Stücke vom Newport Jazz Festival 1967 – ein relativ kurzer Ausschnitt eines vermutlich deutlich längeren Auftritts am 3. Juli 1967. Wes spielt mit seinen Brüdern Buddy und Monk sowie mit Drummer Grady Tate. In zwei Stücken ist noch ein Percussionist zu hören, der bei den Angaben auf Wolfgang’s Vault nicht erwähnt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Ray Barretto handelt, mit dem Wes im Sommer 1967 mehrere Studioaufnahmen einspielte.

Wes MontgomeryDie Aufnahmen, die jetzt bei Wolfgang’s Vault dokumentiert wurden, zeigen Wes in absoluter Oktavlaune. Schon im Auftaktstück, der Wes-Komposition Naptown Blues, zeigt er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Nach einer längeren Singlenote-Passage geht Wes zur einem sehr dynamischen Oktavspiel über. Im engen rhythmischen Zusammenspiel mit seinen Brüdern treibt er das Stück voran.

Es folgt eine nur rund zweiminütige Version von Goin‘ Out of My Head. Das  Thema des Popsongs spielt er in Oktaven, großartig begleitet von Monk und mit einem lässigen Groove, angereichert durch die Percussions von (vermutlich) Ray Barretto. Ein Solo fehlt. Das wird dann ausführlich in Tequila nachgereicht. Hier läuft Wes zu absoluter Hochform auf. Auch hier ist es ein straighter, von Drums und Percussions getragener Groove, der Wes‘ Spiel beflügelt. Dabei hält er sich gar nicht erst mit Singlenotes auf. Mit seinen Oktaven gibt er gleich nach dem Thema richtig Gas und bremst auch nicht mehr ab. In einer grandiosen Abfolge immer neuen Ideen zeigt sich Wes hier in einer geradezu beängstigenden Form. Die ganzen knapp fünf Minuten des Gitarrensolos sind ein Manifest seiner Musikalität, seines außergewöhnlichen Rhythmusgefühls und seiner Technik.

Wolfgang’s Vault, die das Archiv des Newport Festivals besitzen und nach und nach aufarbeiten und veröffentlichen, schenken uns mit dieser Viertelstunde einen wirklich kostbaren Einblick in ein kaum dokumentiertes Kapitel, nämlich das späte Zusammenspiel der drei Montgomery Brothers, die hier, knapp ein Jahr vor dem Tod des Gitarristen, wie ich finde so großartig wie nie zuvor performen. Ich will mehr davon!

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